PSYCH up2date 2023; 17(03): 221-239
DOI: 10.1055/a-1918-9043
Essstörungen, somatische Belastungsstörungen, Schlafstörungen und sexuelle Funktionsstörungen

Pharmakotherapie bei Essstörungen

Daniel Watolla
,
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Andreas Stengel

Die Therapie von Essstörungen stellt im klinischen Alltag eine große Herausforderung dar. Ätiologisch ist von einer multifaktoriellen Verursachung im Sinne eines biopsychosozialen Modells auszugehen. Folglich ist zur Therapie ein multimodales Vorgehen unter Einbezug unterschiedlicher Therapieformen notwendig. Die Pharmakotherapie kann hierbei bei sorgfältiger und kritischer Indikationsstellung eine sinnvolle Ergänzung darstellen.

Kernaussagen
  • Bei Essstörungen handelt es sich um multifaktoriell bedingte, komplexe Krankheitsbilder, welche mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für somatische Folgeerscheinungen, Chronifizierung und Letalität einhergehen.

  • Während die Psychotherapie in Kombination mit Ernährungstherapie die erste Wahl darstellt, kann eine psychopharmakologische Therapie im Rahmen einer multimodalen Therapie unter sorgfältiger individueller Kostennutzenabwägung eine sinnvolle Therapieergänzung darstellen.

  • Die Indikation für eine pharmakologische Therapie mit Antidepressiva ergibt sich häufig aus meist vorliegenden psychischen Komorbiditäten aus dem Bereich der affektiven oder Angststörungen.

  • Mit Ausnahme Gabe von Fluoxetin in der Behandlung der Bulimia kann eine essstörungsspezifische Psychopharmakotherapie nur Off-Label-Therapie erfolgen.

  • Bei der Psychopharmakotherapie der Essstörungen, insbesondere der Anorexia nervosa, interagieren potenzielle Risiken und Nebenwirkungen mit den aus der Essstörung resultierenden bestehenden somatischen Folgeerscheinungen.



Publikationsverlauf

Artikel online veröffentlicht:
08. Mai 2023

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