Hamostaseologie 2013; 33(03): 232-240
DOI: 10.5482/HAMO-13-04-0027
Review
Schattauer GmbH

Diagnosis and treatment of superficial vein thrombosis

Diagnostik und Therapie der oberflächlichen Venen thrombose
R. M. Bauersachs
1   Medical Department IV, Max-Ratschow-Klinik für Angiologie, Klinikum Darmstadt
› Author Affiliations
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Publication History

received: 28 April 2013

accepted in revised form: 24 May 2013

Publication Date:
28 December 2017 (online)

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Summary

Superficial vein thrombosis (SVT) is a common disease, characterized by an inflammatory- thrombotic process in a superficial vein. Typical clinical findings are pain and a warm, tender, reddish cord along the vein. Until recently, no reliable epidemiological data were available. The incidence is estimated to be higher than that of deep-vein thrombosis (DVT) (1/1000). SVT shares many risk factors with DVT, but affects twice as many women than men and frequently occurs in varicose veins. Clinically, SVT extension is commonly underestimated, and patients may have asymptomatic DVT. Therefore, ultrasound assessment and exclusion of DVT is essential. Risk factors for concomitant DVT are recent hospitalization, immobilization, autoimmune disorders, age > 75 years, prior VTE, cancer and SVT in non-varicose veins. Even though most patients with isolated SVT (without concomitant DVT or PE) are commonly treated with anticoagulation for a median of 15 days, about 8% experience symptomatic thromboembolic complications within three months. Risk factors for occurrence of complications are male gender, history of VTE, cancer, SVT in a non-varicose vein or SVT involving the sapheno-femoral junction (SFJ). As evidence supporting treatment of isolated SVT was sparse and of poor quality, the large, randomized, double-blind, placebocontrolled CALISTO trial was initiated assessing the effect of fondaparinux on symptomatic outcomes in isolated SVT. This study showed that, compared with placebo, 2.5 mg fondaparinux given for 45 days reduced the risk of symptomatic thromboembolic complications by 85% without increasing bleeding. Based on CALISTO and other observational studies, evidence-based recommendations can be made for the majority of SVT patients. Further studies can now be performed in higher risk patients to address unresolved issues.

Zusammenfassung

Die oberflächliche Venenthrombose (OVT) ist eine häufige Erkrankung, die durch einen inflammatorisch- thrombotischen Prozess in einer oberflächlichen Vene gekennzeichnet ist. Typische klinische Befunde sind ein überwärmter, schmerzhafter geröteter Strang entlang des Venenverlaufes und/oder eine eher flächenhafte Rötung und Überwärmung. Bis vor kurzem gab es keine zuverlässigen epidemiologischen Daten über Inzidenz, Prävalenz oder assoziierte Komplikationen. Die Inzidenz der OVT ist wahrscheinlich höher als die Inzidenz der tiefen Venenthrombose (1/1000). Die Risikofaktoren für das Auftreten einer OVT entsprechen denen der TVT und Lungenembolie (LAE), allerdings betrifft die OVT doppelt so viele Frauen als Männer und sie tritt häufig in varikösen Venen auf. Bei der klinischen Untersuchung wird die Ausdehnung der OVT häufig unterschätzt, und Patienten mit OVT können gleichzeitig eine asymptomatische TVT aufweisen. Eine Ultraschalluntersuchung der OVT zur Dokumentation der Thrombusausdehnung und zum Ausschluss einer TVT ist daher essenziell. Risikofaktoren für das Auftreten einer gleichzeitigen TVT sind kürzlicher Krankenhausaufenthalt, Immobilisation, Auto immunerkrankungen, Alter über 75 Jahre oder Zustand nach stattgehabten venösen Thromboembolien (VTE), Tumorleiden oder eine OVT in nicht-varikös veränderten Venen. Patienten mit einer isolierten OVT, d. h. ohne gleichzeitige TVT oder LAE, werden häufig mit einer Antikoagulation über eine mediane Dauer von 15 Tagen behandelt, und erleiden trotz dieser Therapie in 8% symptomatische thromboembolische Komplikationen in den ersten drei Monaten. Risikofaktoren für das Auftreten solcher Komplikationen sind männliches Geschlecht, eine VTE-Vorgeschichte, Tumorleiden, OVT in einer nicht varikösen Vene oder Ausdehnung der OVT bis in die Krosse. Die bisher vorliegende Evidenz zur Therapie der isolierten OVT ist schwach, und die methodische Qualität der verfügbaren Studien schlecht. Daher wurde eine große, randomisierte doppelblinde, Placebo-kontrollierte Studie (CALISTO) initiiert, um den Effekt einer Antikoagulation mit Fondaparinux, auf das Auftreten von klinischen, symptomatische Endpunkten bei Patienten mit isolierter OVT zu untersuchen. Die Studie zeigte, dass 2,5 mg Fondaparinux s. c. über 45 Tage im Vergleich zu Placebo das Risiko von symptomatischen thromboembolischen Komplikationen um 85% reduziert, ohne einen Anstieg des Blutungsrisikos.

Basierend auf den Ergebnissen von CALISTO und anderen Beobachtungsstudien können für die Mehrzahl der OVT-Patienten evidenzbasierte Empfehlungen gegeben werden, weitere Studien können auf Basis dieser Ergebnisse auch in Hochrisikokollektiven durchgeführt werden, um ungeklärte Fragen im OVT-Management zu beantworten.