Geburtshilfe Frauenheilkd 2008; 68(6): 607-614
DOI: 10.1055/s-2008-1038518
Originalarbeit

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Einfluss der Stillbedingungen in den ersten Lebenstagen auf die Dauer des ausschließlichen Stillens

Impact of Breastfeeding Conditions in the First Days of Life on the Duration of BreastfeedingU. Schwegler1 , M. Kohlhuber1 , D. Twardella1 , M. Abou-Dakn2 , B. Rebhan1 , H. Fromme1
  • 1Sachgebiet Umweltmedizin, Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Oberschleißheim
  • 2Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, St. Joseph-Krankenhaus, Berlin
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Publication History

eingereicht 20.12.2007 revidiert 3.1.2008

akzeptiert 25.1.2008

Publication Date:
12 June 2008 (online)

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Zusammenfassung

Fragestellung: An einem großen Kollektiv von Müttern einer prospektiven Kohortenstudie soll der Zusammenhang zwischen fünf der „Zehn Schritte zum erfolgreichen Stillen“ und der Stilldauer (ausschließliches Stillen bis zum 4. Monat nach der Geburt) unter Berücksichtigung von Kofaktoren geprüft werden. Methode: Von dem Gesamtkollektiv (n = 3822 Mütter) wurden 2938 Studienteilnehmerinnen berücksichtigt, die ein reifes Neugeborenes zur Welt gebracht hatten und begonnen hatten, dieses Kind zu stillen. Schriftliche Folgebefragungen zum Stillverhalten der Mütter wurden zwei, vier, sechs und neun Monate post partum (pp) durchgeführt. Mögliche Einflussfaktoren wurden in der bivariaten Analyse sowie in der multivariaten logistischen Regression ermittelt. Ergebnisse: 95 % der Mütter wählten eine Geburt mit anschließendem Aufenthalt auf der Wochenbettstation in der Klinik. Rooming-in nach der Geburt wurde von etwa der Hälfte der Mütter und erstes Anlegen innerhalb der ersten Stunde von mehr als 70 % praktiziert. Die ambulante Klinikgeburt oder die außerklinische Geburt zeigte einen statistisch signifikanten protektiven Effekt auf die Stilldauer. Während in der bivariaten Analyse alle fünf der Zehn Schritte zum erfolgreichen Stillen statistisch hoch signifikant mit der Stilldauer verbunden waren, blieb diese Assoziation in der multivariaten logistischen Regression nur für die Zufütterung von Flüssigkeiten und/oder Säuglingsmilch erhalten. Am stärksten waren Stillprobleme mit der Stilldauer assoziiert. Schlussfolgerung: Geburtsbedingungen haben einen großen Einfluss auf die Stilldauer für ausschließliches Stillen bis zum 4. Lebensmonat des Kindes. Aufgrund der potenziellen negativen Auswirkungen auf die Stilldauer sollte die Zufütterung möglichst auf medizinisch indizierte Fälle begrenzt werden. Zur Vorbeugung bzw. Behebung von Stillproblemen müssen vermehrt Anstrengungen unternommen werden.

Abstract

Purpose: We aimed to evaluate the impact of five of the “Ten Steps to Successful Breastfeeding” on the duration of breastfeeding (exclusive breastfeeding for at least four months). Methods: In a prospective cohort study, 3822 mothers were recruited shortly after the birth of a child and follow-up data on breastfeeding were collected for up to nine months after the birth. Data of those 2938 mothers who gave birth after the 36th week of pregnancy and who initiated breastfeeding were analyzed to establish determinants for breastfeeding. Results: 95 % of mothers delivered the child in a maternity ward with a subsequent stay in a postpartum room for recovery for a few days. About 50 % practiced rooming-in and about 70 % initiated breastfeeding within an hour after birth. Not giving birth in a maternity ward or leaving the hospital within 24 hours after birth was associated with a long duration of breastfeeding. While in bivariate analysis, all five steps to successful breastfeeding showed a significant association with the duration of breastfeeding, in multivariate logistic regression this statistical significance was lost for all steps except for “Give newborn infants no food or drink other than breast milk, unless medically indicated”. Breastfeeding problems were most strongly associated with the duration of breastfeeding. Conclusions: The medical care described in the “Steps to Successful Breastfeeding” is a strong determinant for the duration of breastfeeding. Because of its potentially negative effect on breastfeeding, food and drink other than breast milk should not be given to infants unless medically indicated. More efforts are needed to prevent problems with breastfeeding.