Ernährung & Medizin 2004; 19(2): 79-84
DOI: 10.1055/s-2004-829494
Risikofaktor Homocystein

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Homocysteinämie und B-Vitamine - Rationeller Umgang mit einem neuen Risikofaktor

Homocysteinaemia and B vitaminsHans-Joachim Naurath1
  • 1Friedrich-Ebert-Krankenhaus
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Publication Date:
04 December 2006 (online)

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Zusammenfassung

Homocystein ist heute als ein unabhängiger Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen zu betrachten. Eine Homocysteinämie wird für etwa 10 % des kardiovaskulären Gesamtrisikos verantwortlich gemacht. Diskutiert wird aber auch ein negativer Einfluss auf das Zentralnervensystem. Im Mittelpunkt steht dabei neben der Depression vor allem die Demenz. Somit besteht ein enger Zusammenhang zu solchen chronischen Erkrankungen, die sich meist im fortgeschrittenen Lebensalter finden und ein hohes Invalidisierungspotenzial aufweisen. Neben dem Leid, das diese Erkrankungen dem Einzelnen und seinen Familien bereitet, sind immense Kosten für die erforderliche Behandlung und Pflege zu berück-sichtigen. Andererseits gibt es bisher keinen Risikofaktor, der so kostengünstig beeinflussbar ist. Denn durch Substitution mit den Vitaminen B6, B12 und Folsäure lässt sich Homocystein zuverlässig senken. Theoretisch sollen hierdurch über 20 % aller kardiovas-kulären Ereignisse vermeidbar sein. Eine generelle Empfehlung zur Senkung einer Homocysteinämie auch bei Gesunden wird möglich sein, sobald die Ergebnisse von randomisierten kontrollierten Behandlungsstudien vorliegen.

Summary

Homocysteine is now generally considered an independent risk factor for cardiovascular diseases. About 10 per cent of cardiovascular problems are assumed to be caused by homocysteinaemia which furthermore seems to adversely affect the central nervous system. Apart from depressions, this disorder most probably can cause dementia. It is thus closely related to chronic diseases which are mainly affecting elderly people and which entail a high risk of invalidity. Apart from the distress afflicting individual patients and their families, the costs for medical attention and care must be considered. On the other hand, we are so far not aware of another risk factor that can be so easily influenced at low costs. In fact, blood homocysteine levels can be positively lowered by B6, B12 or folic acid supplements. In theory, more than 20 per cent of all cardiovascular diseases can be avoided. General recommendations for therapies liable to prevent or cure homocysteinaemia will be available as soon as randomised, controlled medication studies have been performed.