Gesundheitswesen 2000; 62(2): 93-99
DOI: 10.1055/s-2000-10414
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Organknappheit im Transplantationswesen - Lösungsansätze aus ökonomischer Sicht

A. Henning1 , W. Greiner2
  • Universität der Bundeswehr Hamburg, Institut für Theoretische Volkswirtschaftslehre
  • Forschungsstelle für Gesundheitsökonomie und Gesundheitssystemforschung an der Universität Hannover
Further Information

Publication History

Publication Date:
31 December 2000 (online)

Zoom Image

Zusammenfassung

In dem Beitrag werden die Regelungen des Transplantationsgesetzes, das am 1. Dezember 1997 in Kraft getreten ist, aus ökonomischer Sicht gewürdigt. Dazu werden zunächst die wesentlichen Regelungen des Gesetzes beschrieben und anschließend unter ökonomischen Aspekten analysiert. Das Gesetz regelt insbesondere die Administration des Nachfrageüberschusses bei Organen. Dieser wäre grundsätzlich durch Rationierung der Nachfrage als auch durch Angebotserhöhung zu reduzieren. Als Rationierungskriterien kommen neben den medizinischen Merkmalen auch ökonomische Eigenschaften wie die Kosteneffektivität infrage. Es wird dazu die Methode der qualitätskorrigierten Lebensjahre (QALYs) eingeführt und anhand der Ergebnisse einer Studie zu Kosten und Nutzen der Lebertransplantation beispielhaft erläutert. Zur Erhöhung des Organangebotes wurde bislang im Wesentlichen auf Aufklärung und Appelle gesetzt. Im Gegensatz dazu wird bei einem Organspendeclub zur Vergabe eines Spenderorgans berücksichtigt, ob und wie lange der Empfänger selbst seine Bereitschaft zur Organspende erklärt hat. Auf diese Weise könnte die Spendenbereitschaft positiv sanktioniert und ein zusätzlicher Angebotsanreiz gesetzt werden.

Shortage of Organs in Transplantation - Attempts at Solving the Problem from an Economic Point of View

In the article the regulations of the German transplantation law, which came into force on 1 December 1997, are considered from an economic perspective. First, the essential regulations of the law are described and then analyzed with respect to economic aspects. The law regulates in particular the administration of the demand surplus for organs. This could be reduced by rationing the demand or by increasing the supply. Apart from the medical features economic attributes such as costeffectiveness are also applicable as criteria for rationing. In addition, the method of the quality-adjusted life-years (QALYs) is introduced and described on the basis of the results of a study about costs and benefits of liver transplantation. To increase the organ supply the authorities in Germany have so far established information campaigns and made appeals to the public. In contrast, an organ donation club the allocation of donors is made considering if and when the recipient declared his readiness to organ donation. In this way the willingness to donate his own organs could be sanctioned positively and an additional incentive for supply could be set.

Crossref Cited-by logo
Article Citations