Flugmedizin · Tropenmedizin · Reisemedizin - FTR 2015; 22(05): 243
DOI: 10.1055/s-0035-1564980
DGMM-Mitteilungen
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Medizinische Notfälle in Offshorewindparks – Evaluierung und Fortentwicklung der Rettungskette

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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
22. Oktober 2015 (online)

 

    Im Rahmen der Energiewende werden in der deutschen Nord- und Ostsee Offshorewindparks (OWP) geplant, errichtet und in Betrieb genommen. Die damit beschäftigten Unternehmen werden dabei insbesondere im Hinblick auf Arbeitsschutz- und Notfallkonzepte vor neue Herausforderungen gestellt. So werden mehr als 1000 Menschen nach bisherigen Schätzungen künftig permanent in den Offshorewindparks tätig sein und sich den spezifischen Arbeits- und Rahmenbedingungen stellen müssen. Um die im Offshorewindbereich tätigen Unternehmen, aber auch die für den Vollzug der Verwaltungsaufgaben des Arbeitsschutzes zuständigen Stellen, hinsichtlich der Gestaltung und Sicherstellung der Rettungskette zu unterstützen, wird bereits seit Anfang 2012 im Rahmen des Forschungsprojekts „Rettungskette Offshore Wind“ in enger Zusammenarbeit mit den Unfallversicherungsträgern und den Unternehmen ein auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierendes Konzept zur optimalen Ausgestaltung der Rettungskette erarbeitet.

    Zielsetzung, Zielgruppen

    Ziel der zweiten Phase dieses Forschungsprojekts ist es, das bisher erarbeitete Konzept einer innovativen Rettungskette für medizinische Notfälle bei Bau und Betrieb von Offshorewindparks zu evaluieren und fortzuschreiben. Ergebnisse und Erkenntnisse des Vorhabens sollen in erster Linie den im Offshorewindbereich tätigen Unternehmen sowie den relevanten BG-lichen Projektgruppen als Grundlage zur Er- und Überarbeitung von Empfehlungen und Informationsschriften dienen. Aufbauend auf den Forschungsarbeiten und -ergebnissen im Vorgängerprojekt sowie – sofern verfügbar – relevanten anderen Forschungsarbeiten sollen zudem sowohl die Möglichkeiten als auch die Grenzen aufgezeigt werden, die aktuell bei der Gestaltung der Rettungskette zu nutzen, respektive zu berücksichtigen sind. Mit Abschluss des Projekts soll ein wissenschaftlich valides Fundament für die Gestaltung der Rettungskette für deutsche Offshorwindparks vorliegen. Dabei sollen auch aktuelle Entwicklungen und der technische Fortschritt, insbesondere in den Bereichen der notfallmedizinischen Versorgung, der Rettungstechnik sowie der Informations- und Kommunikationstechnologie miteinbezogen werden.

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    (Bild: Fotolia; W. Reiss)

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    Fortführung und Vertiefung der Analyse des Unfall- und Erkrankungsgeschehens

    Aufbauend auf den bisherigen Ergebnissen und Erkenntnissen im Vorgängerprojekt für den Zeitraum 2008 bis 2012 soll die systematische Erfassung und Analyse des Unfall- und Erkrankungsgeschehens auf den Zeitraum 2013 bis 2015 ausgedehnt werden. Während der Zeitraum 2008 bis 2012 im Wesentlichen von Bauaktivitäten dominiert war, wird hiermit erstmals auch eine separate Betrachtung der Betriebsphase der Parks möglich werden, welche aufgrund der besonderen Bedingungen während dieser Phase (z. B. eingeschränkte Ressourcen in Bezug auf Personal und Material) für die diesbezügliche Präventionsarbeit und Ableitung reaktiver Maßnahmen bedeutend ist. Wesentlicher Teil dieses Arbeitsschwerpunkts ist die Weiterentwicklung des Konzepts „Zentrales Medizinisches Offshore Register (ZeMOR)“ in Zusammenarbeit mit dem TraumaRegister DGU®.


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    Evaluierung und Fortentwicklung des Konzepts Ersthelfer-Offshore

    Die Evaluation des derzeitigen Konzepts Ersthelfer-Offshore nach Empfehlung des Fachbereichs Erste Hilfe der DGUV soll im Rahmen einer empirischen Studie mit Lehrgangsteilnehmern ausgewählter Trainingsanbieter erfolgen. Hierzu ist zunächst die Entwicklung eines entsprechenden Erhebungsinstruments im Sinne einer standardisierten Befragung und /oder wissenschaftlichen Beobachtung der Lehrgangsteilnehmer geplant.


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    Gremienarbeit und Dokumentation

    Die erzielten Erkenntnisse und Ergebnisse sollen wie im Vorgängerprojekt fortlaufend in relevante Projekt- und Arbeitsgruppen der Fachbereiche und Sachgebiete der DGUV sowie des „Runden Tisches – Maritime Sicherheitspartnerschaft“ einfließen, sodass frühzeitig eine wissenschaftliche Basis für konsensuale Empfehlungen zu Verfügung steht. Zudem soll neben der Sichtung neuer relevanter Studien die bereits aufgebaute Literaturdatenbank ausgebaut werden.

    Zudem ist die Einrichtung eines wissenschaftlichen Beirats vorgesehen, der durch Experten der für das Projekt relevanten Disziplinen besetzt ist und das Projektteam in fachlichen und fächerübergreifenden Fragen der Planung und Durchführung der Forschungsarbeiten und der wissenschaftlichen Dienstleistungen sowie der Kooperation mit anderen Forschungseinrichtungen im In- und Ausland berät.

    Das bereits im Vorgängerprojekt aufgebaute Wissensnetzwerk mit Einschluss aller relevanten Institutionen, Gesellschaften und Experten soll weiterhin für die Forschungsarbeiten genutzt und ausgebaut werden.

    Dr. Markus Stuhr, Dr. Dirk Dethleff,
    Dr. Nils Weinrich, Prof. Dr. Christian Jürgens; Hamburg


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    (Bild: Fotolia; W. Reiss)