Sprache · Stimme · Gehör 2012; 36(02): 53
DOI: 10.1055/s-0032-1322332
Für Sie gelesen, für Sie gehört
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Spracherwerb – Luxemburger Kinder lernen Sprachen unterschiedlich

Further Information

Publication History

Publication Date:
04 July 2012 (online)

 

Journal of Educational Psychology 2012; doi: 10.1037/a0028390

Forschungsergebnissen der Universität Luxemburg zufolge lernen Acht- bis Neunjährige deutsche Wörter aufgrund ihres bestehenden luxemburgischen Wortschatzes, während sie zum Erwerb der französischen Sprache vorwiegend ihre Fähigkeit nutzen, ungewohnte Sprachlaute in Wörtern zu identifizieren und zu analysieren. Luxemburgischsprachige Kinder lernen Deutsch "natürlich", wogegen das Französischlernen eine anspruchsvolle kognitive Leistung ist. Die Erkenntnisse der Studie werden sich auf den Fremdsprachenunterricht auswirken.

Dr. Pascale Engel de Abreu von der Universität Luxemburg fand heraus, dass französische Wörter für junge luxemburgischsprachige Kinder ungewohnte Laute und Lautkombinationen enthalten. Das bedeutet, dass die Kinder zunächst die einzelnen Laute erkennen und analysieren müssen, um das neue Wort effektiv zu lernen. Die Forschungsergebnisse lassen darauf schließen, dass grundlegende phonologische Verarbeitungsfähigkeiten ein wichtiges Sprungbrett für den erfolgreichen Erwerb einer Fremdsprache mit einer fremdartigen Lautstruktur darstellen.

98 Kinder ausschließlich luxemburgischsprachiger Eltern wurden auf Wortschatz, Grammatikkenntnisse sowie Lese- und Schreibfähigkeit in Luxemburgisch, Deutsch und Französisch getestet. Auch ihr Arbeitsgedächtnis und ihre phonologische Verarbeitung wurden untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass beide Faktoren wichtig für das Lernen der Fremdsprache sind. Das Arbeitsgedächtnis ist für das Leseverständnis und das Schreiben relevant, während die Fähigkeiten zur phonologischen Verarbeitung vor allem für die Wortdekodierung und das Lernen von Vokabeln im Französischen erforderlich sind.

IDW/ Britta Schlüter, Campus Limpertsberg, Universität Luxemburg