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DOI: 10.1055/s-0032-1309737
Vollständige Lymphknotenaufarbeitung beim Rektumkarzinom (cUICC-II/III-Stadium) durch Aceton-Kompression
Publication History
Publication Date:
20 September 2012 (online)


Einleitung
Epidemiologie und Prognose
Kolorektale Karzinome (KRK) stellen in Deutschland die zweithäufigste Malignomerkrankung dar. Im Jahr 2006 lag die Neuerkrankungsrate bei 68 000 Patienten und bestätigte den kontinuierlichen Trend einer steigenden Inzidenz bei Frauen und Männern (von 1980 bis 2006: Zunahme der KRK bei Frauen um 26 %, bei Männern um 34 %). Gleichzeitig konnte in den letzten 30 Jahren ein Rückgang der KRK-spezifischen Sterblichkeitsrate festgestellt werden (bei Frauen um 38 %, bei Männern um 24 %). Diese erfreuliche Entwicklung wird auf eine verbesserte interdisziplinäre Diagnostik (u. a. Frühdiagnostik) und eine wirksamere, zum Teil multimodal durchgeführte Therapie (bestehend aus onkologischer Operation, [Poly-]Chemotherapie und prä- oder postoperativer Strahlentherapie) zurückgeführt [1].
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Histopathologische Befundung
Die entscheidende Voraussetzung für eine effektive Tumortherapie ist neben einem umfassenden prätherapeutischen Staging mit histologischem Malignomnachweis eine standardisierte Aufarbeitung des OP-Präparates mit Angabe des Tumorstadiums nach TNM-/UICC-Kriterien [2]. Dabei stellt das Verhältnis aller untersuchten Lymphknoten (LK) zu nachgewiesenen LK-Metastasen nicht nur einen Qualitätsindikator für die chirurgische Radikalität dar, sondern ist Voraussetzung für die Indikationsstellung zur postoperativen (adjuvanten) Systemtherapie und deren Intensität (Mono-/Polychemotherapie, Dosisdichte etc.) [3]. In den internationalen Klassifikationssystemen ist seit Jahren festgelegt, dass bei KRK die Untersuchung von mindestens 12 LK (TNM/UICC-Klassifikation) bzw. von 14 LK (AJCC-Klassifikation) notwendig ist, um ein verlässliches histopathologisches Tumorstaging zu gewährleisten [2] [4].
Präoperative Radiochemotherapie (RCT). Seit Einführung der präoperativen (neoadjuvanten) 5-FU-basierten Langzeit-Radiochemotherapie (50,4 Gy) zur Behandlung des lokal fortgeschrittenen Adenokarzinoms des Rektums im cUICC-II/III-Stadium bestehen neue Anforderungen an die histopathologische Befundung [5]. Neben der Angabe der Qualität der totalen mesorektalen Exzision (TME) [6] nach MERCURY-Kriterien [7] [8], des zirkumferenziellen Resektionsrandes (CRM) [9] und der RCT-induzierten Tumorregression [10] als frühe prognostische Surrogat-Parameter [11] besitzt der residuelle Lymphknotenstatus (post RCT, ypN0 oder ypN1 /2) weiterhin einen hohen prognostischen Stellenwert [12] [13] [14] [15]. Zusammen mit molekularbiologischen Parametern (z. B. Biomarkern) wird ihm zunehmend Therapierelevanz [16] [17] [18] beigemessen, insbesondere unter der klinischen Zielsetzung, Patienten mit einer möglichst an ihr individuelles Rezidivrisiko angepassten Systemtherapie effektiver zu behandeln [19].
Resektataufarbeitung. Vor diesem Hintergrund sind aktuelle Berichte kontrovers zu diskutieren, in denen behauptet wird, dass nach einer präoperativen RCT weder eine ausreichende LK-Anzahl noch ein verlässlicher Tumorstatus gemäß den gültigen TNM-/UICC-Kriterien angegeben werden kann [20]. Unter Anwendung herkömmlicher Methoden der Resektataufarbeitung (etabliert in der Zeit vor Einführung der neoadjuvanten RCT) wird von einzelnen Arbeitsgruppen mittlerweile sogar gefordert, die gültigen stringenten TNM-/UICC-Klassifikationskriterien abzumildern.
Die klinische Problematik dieser Debatte wird im Folgenden anhand eines Fallbeispiels verdeutlicht, in dem die Aceton-Kompression (AC) zum Einsatz kam. Diese AC-Methode ist eine effektive, kostengünstige Alternative/Erweiterung zur manuellen LK-Dissektion [21] [22], zur Kompletteinbettung des mesorektalen Weichgewebes [23] und zur Fett-Clearance, wobei grundsätzlich die Gesamtzahl und Mindestgröße untersuchter LK vom eingesetzten Aufarbeitungsverfahren abhängen [22].
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1 Die Autoren haben zu gleichen Teilen zur vorliegenden Arbeit beigetragen
2 Pathologie Nordhessen, Kassel
3 Abteilung Allgemein- und Viszeralchirurgie, Universitätsmedizin Göttingen
4 Abteilung Strahlentherapie und Radioonkologie, Universitätsmedizin Göttingen