Frauenheilkunde up2date 2009; 3(5): 403-420
DOI: 10.1055/s-0029-1224590
Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart ˙ New York

Hormonelle orale Kontrazeption[1]

M. Ludwig
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Publication Date:
04 September 2009 (online)

Kernaussagen

Für die hormonelle Kontrazeption stehen unterschiedliche medikamentöse Ansätze zur Verfügung: orale oder parenterale Mono- oder Kombinationspräparate. Die Monopräparate enthalten jeweils nur einen gestagenen Wirkstoff, während die kombinierten oralen Präparate aus einer Östrogen- und einer Gestagenkomponente bestehen. Je nach Zusammensetzung erhält man so Ein-, Zwei- oder Vierphasenpräparate bzw. Ein- oder Zweistufenpräparate.

Wenn Ethinylöstradiol nicht kontraindiziert ist, stellen die Einphasenpräparate die Therapieoption der 1. Wahl dar. In diesen Fällen ist das Gestagen der wichtigste Faktor bei der Auswahl eines konkreten Präparats zur Erstverschreibung. Denn hier spielt v. a. eine Rolle, ob eine ausgeprägt antiandrogene Wirkung gewünscht wird (z. B. mit Chlormadinonacetat, Cyproteronacetat, Dienogest oder Drospirenon) oder nicht. Ansonsten können Gestagene der 3. Generation eingesetzt werden.

Das „klassische” Einnahmeschema von 21 Tagen mit Wirkstoff und 7 einnahmefreien Tagen kann zum Erreichen einer besseren Zyklusstabilität oder zur Reduktion von Beschwerden auch auf 4 einnahmefreie Tage verkürzt werden bis hin zum Langzyklus mit einer 7-tägigen „Pillenpause” nur alle 3 –4 Monate. Medizinisch gibt es keinen Grund, die hormonelle Zufuhr überhaupt zu unterbrechen, wenn dies von der Patientin gewünscht werden sollte.

Risiken unter der Einnahme hormoneller Kontrazeptiva bestehen hinsichtlich kardiovaskulärer Einflüsse (Thromboserisiko 2 bis 3fach erhöht, relatives Risiko für Herzinfarkt und Apoplex etwa verdoppelt). Das Risiko von Malignomen unter oralen kombinierten Kontrazeptiva ist im Falle von Ovarial-, Endometrium- und Kolonkarzinomen verringert, für Zervixkarzinome und evtl. für Mammakarzinome erhöht; letzteres ist jedoch nach der bisherigen Datenlage nicht abschließend geklärt.

Orale Präparate zur Notfallkontrazeption enthalten ausschließlich Levonorgestrel (1,5 mg verteilt auf 1 oder 2 Einnahmen). In jüngster Zeit wurde zusätzlich der Progesteronrezeptor-Modulator Ulipristal für diese Indikation zugelassen.

1 Der Text dieser Übersichtsarbeit stellt Auszüge aus einem aktuell erschienenen Buch dar: Ludwig M. Hormonelle Kontrazeption – ein Handbuch für die Praxis, optimist Fachbuchverlag; 2009: ISBN 9783941962002. Die Übernahme des Textes und einzelner Tabellen und Abbildungen erfolgte mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

Literatur

1 Der Text dieser Übersichtsarbeit stellt Auszüge aus einem aktuell erschienenen Buch dar: Ludwig M. Hormonelle Kontrazeption – ein Handbuch für die Praxis, optimist Fachbuchverlag; 2009: ISBN 9783941962002. Die Übernahme des Textes und einzelner Tabellen und Abbildungen erfolgte mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

Prof. Dr. Michael Ludwig

Endokrinologikum Hamburg · Zentrum für Hormon- und Stoffwechselerkrankungen, Reproduktionsmedizin und Pränatale Medizin

Lornsenstraße 4–6

22767 Hamburg

Email: Michael.Ludwig@Endokrinologikum.com