Pneumologie 2000; 54(3): 143-146
DOI: 10.1055/s-2000-9077
KLINISCHER KOMMENTAR
Georg Thieme Verlag Stuttgart ·New York

Überwachung und Rehabilitation bei Asbestexponierten - ein unterschätztes Problem?

D. Köhler
  • Krankenhaus Kloster Grafschaft, Zentrum für Pneumologie, Beatmungs- und Schlafmedizin - Rehabilitation, Schmallenberg
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Publication Date:
31 December 2000 (online)

 

Asbest und Krebs

Aufgeschreckt durch zwei neu entdeckte Bronchialkarzinome und ein Mesotheliom im letzten Halbjahr bei Versicherten mit entschädigter Asbestose (BK 4103) aus unserer Reha-Abteilung (70 Betten, berufsgenossenschaftliche Rehabilitation, meist Silikose und Asbestose), stellt man sich die Frage nach dem Forschungsstand präventiver Maßnahmen. Nun ist lange bekannt, dass insbesondere asbeststaubexponierte Raucher ein überadditives Bronchialkarzinomrisiko (BK 4104) haben, das je nach Studie auf das 20 - 90fache erhöht ist [[1] [2] [3] [4] [5] [6] [7]]. Es besteht bez. der Lokalisation eine geringe Bevorzugung der Oberlappen; histologisch ist das Adenokarzinom am häufigsten [[8]]. Ein ähnlich hohes Risiko gilt für asbestinduzierte Larynxkarzinome (ebenfalls BK 4104) [[2], [9], [10]]. Der asbestinduzierte Krebs macht derzeit ca. 70 % aller berufsbedingten Karzinome aus [[11], [12]]. Es gelten ähnliche Risiken für das Bronchialkarzinom bei Uranbergarbeitern (BK 2402), die oft zusätzlich eine Silikose (BK 4101) haben [[13] [14] [15]]. Auch bei alleiniger Silikose ist das Karzinomrisiko erhöht. Die IARC (International Agency for Research on Cancer, Teil der WHO) hat 1996 Quarzstaub als Humankarzinogen aufgenommen. Dem hat sich die Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe der DFG 1998 angeschlossen. Allerdings liegt hier das Risiko im Vergleich zur Asbeststaub- und Strahlenbelastung um mehr als eine Zehnerpotenz niedriger bei ca. 2fach [[16] [17] [18] [19] [20] [21] [22] [23]], auch wenn gleichzeitig Inhalationsrauchen vorliegt [[17], [18], [21], [22]]. (Eine Beziehung zum Schweregrad der Silikose besteht übrigens kaum [[17], [19], [23]].) Insofern ist hier die Früherkennungsproblematik im Vergleich zu Asbestosepatienten von deutlich nachrangiger Bedeutung.

Allgemein lässt sich nur eine schwache Dosis-Wirkungsbeziehung zwischen Asbestexposition bzw. -inhalation und der Tumorhäufigkeit herstellen [[24]]; jedoch belegt schon der Nachweis von asbestbedingten Veränderungen im Thorax-Röntgenbild - auch bei fehlenden Funktionsausfällen (Versicherungsfall) - das erhöhte Risiko [[25]]. Bei Bronchial- oder Larynxkarzinomen wird ab einer Asbestexposition von 25 Faserjahren, trotz Thorax-Röntgenbild ohne asbesttypische Veränderungen, immer eine Berufserkrankung anerkannt. Nach Woitowitz ist bei Asbestexposition und Pleuraplaques das Risiko für ein Bronchialkarzinom 3 - 4fach; bei asbestbedingter Fibrose jedoch über 10fach erhöht. Das asbestinduzierte Mesotheliom wird im Gegensatz zu dem Bronchialkarzinom durch das Rauchen nicht gefördert [[26]].