Gesundheitswesen 2016; 78(01): 56-62
DOI: 10.1055/s-0034-1387744
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Betriebliche Gesundheitsförderung in Deutschland: Verbreitung und Inanspruchnahme. Ergebnisse der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragungen 2006 und 2012

Workplace Health Promotion in Germany: Prevalence and Utilisation. Analyses on Labour Force Surveys of the Federal Institute for Occupational Safety and Health in 2006 and 2012
D. Beck
1   Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Fachgruppe 3.5 Psychische Belastungen, Betriebliches Gesundheitsmanagement, Berlin
,
U. Lenhardt
2   Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Strategisches FuE-Management, Berlin
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Publication Date:
30 September 2014 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund und Methoden: In diesem Beitrag werden repräsentative Daten zur Verbreitung und Inanspruchnahme von Maßnahmen der Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) in Deutschland dargestellt. Grundlage sind Angaben von 17 870 abhängig Beschäftigten, die im Rahmen der Erwerbstätigenbefragung 2011/12 des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) erhoben wurden. Durch Vergleich mit Daten aus der Erhebungswelle 2005/06 (N=17 803) werden darüber hinaus mittelfristige Veränderungstendenzen im BGF-Geschehen bestimmt.

Ergebnisse: Im Jahr 2012 bestätigten 44% der Befragten die Durchführung von BGF-Maßnahmen in ihrem Betrieb, 2006 waren es 38%. Zuwächse zeigten sich in allen Betriebsgrößenklassen und Wirtschaftsbereichen. Beschäftigte aus kleinen Betrieben berichteten zu beiden Erhebungszeitpunkten deutlich seltener von BGF-Maßnahmen als Beschäftigte aus Großbetrieben. Von den erfassten Wirtschaftsbereichen weist die Industrie die höchste Verbreitung von BGF auf, der Abstand zu den anderen Sektoren ist seit 2006 aber kleiner geworden. Der Anteil der Befragten, die im Falle durchgeführter BGF-Maßnahmen angaben, an diesen selbst teilgenommen zu haben, ging leicht zurück. Markante (und im Zeitverlauf sogar gewachsene) Unterschiede hinsichtlich der Inanspruchnahmequote bestehen vor allem zwischen klein- und großbetrieblichem Sektor.

Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse indizieren eine moderat gestiegene Verbreitung von BGF, verweisen zugleich aber auch auf einen nach wie vor erheblichen Beratungs- und Unterstützungsbedarf insbesondere der kleinen Betriebe. Über qualitative Merkmale der hierzulande praktizierten BGF und ihre Veränderungen können auf Basis der ausgewerteten Daten allerdings keine Aussagen getroffen werden.

Abstract

Background and Methods: This article describes representative data on the availability of and individual participation in workplace health promotion (WHP) in Germany. These data are based on responses of 17 870 employees which were collected within the Labour Force Survey 2011/12 of the Federal Institute for Vocational Education and Training and the Federal Institute for Occupational Safety and Health. By comparison with data from the previous wave of the survey carried out in 2005/06 (N=17 803), medium-term trends in WHP are identified.

Results: In 2012, 44% of the employees reported WHP activities in their companies, as against 38% in 2006. Increasing WHP prevalences were observed in all company sizes and economic sectors. In both surveys, employees in small companies reported significantly less WHP than those in large companies. Of all economic sectors, industrial manufacturing still showed the largest diffusion of WHP, even though the gap to other sectors has narrowed since 2006. The proportion of respondents who individually participated in WHP (if available) has slightly declined. The most striking difference in participation rates – which has even increased over time – is between small and large companies.

Conclusions: Our findings indicate a moderately increased prevalence of WHP in Germany. At the same time, data still suggest a considerable need for WHP-related advice and support, particularly in small companies. On the basis of the analysed data, however, no statements can be made about qualitative characteristics of WHP activities in Germany.

 
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