Aktuelle Neurologie 2009; 36 - P690
DOI: 10.1055/s-0029-1238783

Ist eine isolierte Neuritis N. optici im Kindesalter ein Prädiktor für eine Multiple Sklerose im Erwachsenenalter?

C Elpers 1, N Stupp 1, U Grenzebach 1, T Niederstadt 1, T Allkemper 1, B Fiedler 1, O Schwartz 1, A Täuber 1, G Kurlemann 1
  • 1Münster

Die Inzidenz der akuten Neuritis nervi optici (ON) im Kindesalter beträgt 4/100.000/a. Die ON ist generell der häufigste Risikofaktor für die Entwicklung einer Multiplen Sklerose [MS] Während dieser Zusammenhang für das Auftreten der ON im Erwachsenenalter empirisch bestätigt wurde, konnte dieser Zusammenhang im Falle

einer Erkrankung im Kindesalter bisher nicht nachgewiesen werden. Ziel dieser Studie ist die Identifikation von Hinweisen und die darauf aufbauende Bestimmung wichtiger Risikofaktoren für eine zukünftige MS-Erkrankung.

Studiendesign:

  • 42 Patienten [27♀, 15♂]

  • im Alter von 11 bis 50 Jahren; Durchschnittsalter: 28,12 Jahre

  • Erkrankungsalter zw. 2 und 17 Jahren; Durchschnittsalter: 9,98 Jahre

  • ON in beiden Augen [16 Patienten], ON in einem Auge [26 Patienten, 12 rechts/14 links]

  • durchschnittliche Nachbeobachtungszeit: 18,14 Jahre

  • Studie beinhaltet ophthalmologische u. neurologische Untersuchung +cMRT

Ergebnisse:

  • 14,3% [6 von 42] der Patienten zeigen radiologisch sichere Pathologika einer MS

  • 23,8% [10 von 42] Patienten zeigen radiologisch suspekte Zeichen einer MS

  • 61,9% [26 von 42] Patienten zeigen radiologisch keine MS-typischen Läsionen; zusätzlich haben 46,2% [12 von 26] dieser Patienten keine neurologischen Dysfunktionen

  • frühes Erkrankungsalter, ON beider Augen und zusätzliche neurologische Symptome scheinen das Risiko der Entwicklung einer MS zu erhöhen

  • ein initial positiver Liquorbefund, weibliches Geschlecht sowie eine hohe Anzahl an Rezidiven korreliert nach unseren Daten negativ mit dem Auftreten einer MS-Erkrankung

  • Kortisontherapie [p.o u/o i.v.] hat einen positiven Effekt; 67,7% [21 von 31] der behandelten Patienten zeigen keine krankheitstypischen Veränderungen im MRT, dagegen sind 54,5% [6 von 11] nicht mit Kortison therapierten Patienten in den Gruppen „Sicher-MS“ oder „Suspekt-MS“

Schlussfolgerung: Im Vergleich zu der Erkrankung im Erwachsenenalter ist die Manifestation einer MS nach juveniler ON gering. Einige Risikofaktoren, teilweise korrespondierend zu Daten aus der Literatur konnten im Rahmen der Studie bestätigt werden.