Z Geburtshilfe Neonatol 2016; 220(02): 74-80
DOI: 10.1055/s-0035-1555763
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Chancengleiche Versorgung in der Geburtshilfe – Eine quantitative Erhebung zur Barrierefreiheit an geburtshilflichen Abteilungen in Österreich

Equal Opportunities for Care in Obstetrics – A Quantitative Survey of Accessibility in Obstetric Departments in Austria

Autor*innen

  • B. Schildberger

    1   FH Gesundheitsberufe OÖ GmbH, Studiengang Hebamme, Linz, Austria
  • N. Ortner

    2   fhg – Zentrum für Gesundheitsberufe Tirol GmbH, Innsbruck, Austria
  • C. Zenzmaier

    2   fhg – Zentrum für Gesundheitsberufe Tirol GmbH, Innsbruck, Austria
  • M. König-Bachmann

    2   fhg – Zentrum für Gesundheitsberufe Tirol GmbH, Innsbruck, Austria
Weitere Informationen

Publikationsverlauf

eingereicht 20. November 2014

angenommen nach Überarbeitung 28. Mai 2015

Publikationsdatum:
25. April 2016 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund: Frauen mit Behinderungen sehen sich in ihrer Alltagsbewältigung mit unterschiedlichen Herausforderungen und diskriminierenden Momenten konfrontiert. Vor allem wird das Thema Schwangerschaft und Mutterschaft nach wie vor kritisch diskutiert und tabuisiert. Ziel dieser Arbeit ist eine Bestandsaufnahme, inwieweit an den geburtshilflichen Abteilungen in Österreich einerseits bauliche Maßnahmen und andererseits spezielle Leistungs- und Supportangebote implementiert wurden, um einen barrierefreien Zugang und eine chancengleiche Versorgung von Frauen mit Beeinträchtigungen gewährleisten zu können.

Methode: Die Datenerhebung erfolgte mit einem selbstentwickelten, nicht-standardisierten Fragebogen, welcher sowohl die baulichen Maßnahmen als auch die in den unterschiedlichen Abteilungen vorhandenen bzw. implementierten Leistungs- und Supportangebote zur Sicherstellung eines barrierefreien Zugangs umfasste. Die Erhebung der Daten erfolgte mit Hilfe der online Umfrage-Applikation „LimeSurvey“, die Auswertung mit SPSS.

Ergebnisse: Die in den unterschiedlichen Bauvorschriften geforderten Auflagen sind den Ergebnissen zufolge teilweise umgesetzt, darüber hinaus liegt die Implementierung weiterer Maßnahmen bzw. die Adaptierung des Inventars für motorisch oder sensorisch beeinträchtige Frauen im Ermessensspielraum der jeweiligen Einrichtung und wird kaum umgesetzt.

Schlussfolgerungen: Trotz der kleinen Samplegröße wird erkennbar, dass an den geburtshilflichen Abteilungen in Österreich Strukturen, die eine barrierefreie Versorgung, Pflege, Beratung und Betreuung von Frauen mit motorischer oder sensorischer Beeinträchtigung gewährleisten könnten, nicht flächendeckend vorhanden sind.

Abstract

Background: In everyday life women with disabilities are facing different challenges and discriminatory aspects. Especially the issue of pregnancy and motherhood is still critically discussed and subject to taboo. The aim of the present study is to survey the extent of structural measures on the one hand and additional specific service offers on the other hand that have been implemented in order to ensure accessibility and equitable care for women with disabilities in the obstetric departments in Austria.

Method: Data were collected by a self-developed non-standardised questionnaire, evaluating existing or implemented structural measures and specific service offerings that ensure accessibility. Data collection and analysis were performed using the online survey application “LimeSurvey” and SPSS, respectively.

Results: The survey data reveal that the obstetric departments largely conform to the requirements of the different building regulations. Additional measures or adaptations of the inventory for women with mobility or sensory impairments are at the discretion of the institution and thus are hardly implemented.

Conclusions: Despite the small sample size it becomes obvious that the obstetric departments in Austria lack in many regards structures that ensure accessibility to care, nursing, counselling and support for women with sensory impairments or limited mobility.