Rofo 2023; 195(S 01): S57
DOI: 10.1055/s-0043-1763101
Abstracts
Vortrag (Wissenschaft)
Neuroradiologie

Auswertung der DeGIR-QS-Registerdaten zu endovaskulären Therapien von zerebralen Vasospasmen in Deutschland 2018-2021

A Neumann
1   UKSH, Campus Lübeck, Institut für Neuroradiologie, Lübeck
,
H Schacht
,
J Küchler
,
U Jensen-Kondering
,
W Weber
,
P Schramm
› Author Affiliations
 
 

    Zielsetzung Nach einer SAB sind zerebrale Vasospasmen (zVS) die häufigste Sekundärkomplikation mit erheblichem Einfluss auf den Krankheitsverlauf. Neben der systemischen Behandlung werden auch endovaskuläre Therapien (ET) durchgeführt. Diese ET (medikamentös/[+]Ballonangioplastie [BA], Stenting) werden umfangreich seit 2018 im QS-Register der DeGIR dokumentiert.

    Material und Methoden Systematische Auswertung aller im DeGIR-QS-Register anonymisiert dokumentierten ET von zVS in den Jahren 2018-2021.

    Ergebnisse 3584 Patienten mit zVS aus 91 (2018), 92 ('19), 100 ('20) und 98 ('21) Zentren erhielten insgesamt 7628 ET (medianes Alter 53, 68,2% Frauen; medikamentös: 7476 [jeweils allein Nimodipin: 6748, Papaverin: 401, Nitroglyzerin: 62, anderes Pharmakon: 239; Kombinationen: 90]/[+]BA: 756, Stenting: 176). Das Dosisflächenprodukt im Rahmen der ET betrug im Median 4069 cGycm² (medikamentös: 3850/[+]BA: 7920 [p<0.001]). Mindestens 1 Komplikation trat in 95 der Prozeduren auf (1,2%), insbesondere Thrombembolien (n=30) und Dissektionen (n=25) (medikamentös: 1,1%/[+]BA: 4,2% [p<0.001]). Die mit den ET verbundene Mortalität betrug 0,2% (n=18). Nach ET zeigten sich in 94,2% der Fälle Besserungen oder Beseitigungen der angiographischen zVS (medikamentös: 93,8%/[+]BA: 98,1% [p<0.001]). Im Vergleich der lokal applizierten Medikamente beseitigte Papaverin die angiographischen zVS häufiger (p=0,002), jüngere Patienten (<54 Jahre; p=0.002) und Männer (p<0.001) zeigten diesbez. bessere Therapieergebnisse.

    Schlussfolgerungen ET von zVS weisen eine moderate Strahlenbelastung auf und sind insgesamt komplikationsarm durchführbar. Überwiegend werden rein medikamentöse ET durchgeführt, wobei als verwendeter Wirkstoff Nimodipin dominiert. Bei (zusätzlicher) BA sind Strahlenbelastung, Komplikationsraten und das angiographische Therapieergebnis signifikant höher bzw. besser. Den vorliegenden Ergebnissen nach könnte im angiographischen Behandlungsergebnis Papaverin bei alleiniger Betrachtung der medikamentösen ET von zVS gegenüber Nimodipin Vorteile bieten.


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    Publication History

    Article published online:
    13 April 2023

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