PSYCH up2date 2026; 20(01): 17-33
DOI: 10.1055/a-2761-3584
Abhängigkeitserkrankungen

Substitutionstherapie bei Opioidabhängigkeit

Authors

Die Substitutionstherapie ist die evidenzbasierte Erstlinientherapie bei Opioidabhängigkeit, einer chronisch-rezidivierenden Erkrankung mit hoher Morbidität und Mortalität. Durch die kontrollierte Gabe langwirksamer Agonisten wie Methadon, Levomethadon oder Buprenorphin – in speziellen Fällen auch Diacetylmorphin – werden die körperliche und psychische Gesundheit stabilisiert, das Überdosierungsrisiko gering gehalten und eine soziale Reintegration gefördert.

Kernaussagen
  • Abhängigkeit von Opioiden ist potenziell lebensbedrohlich und erfordert eine adäquate Behandlung.

  • Bei Opioidabhängigkeit ist eine langfristig angelegte und psychosozial begleitete Substitutionsbehandlung die Therapie der Wahl.

  • Im Rahmen einer Konsiliarregelung kann eine Substitutionstherapie durch alle Ärzt*innen durchgeführt werden.

  • Substitution bei Menschen mit Opioidabhängigkeit umfasst pharmakologisch den kontrollierten Einsatz eines Substitutionsmittels, d.h. die tägliche Vergabe eines ärztlich verordneten Betäubungsmittels. Dies erfolgt im Rahmen eines individuellen Therapiekonzepts und Gesamtbehandlungsplans, der auch psychosoziale Aspekte berücksichtigt.

  • Einschlusskriterium ist der Nachweis einer Opioidabhängigkeit – unabhängig davon, ob es sich um den Gebrauch erlaubt (z.B. im Rahmen einer ursprünglich ärztlich indizierten Opioidtherapie) oder unerlaubt erworbener bzw. erlangter Opioide handelt.

  • Die Zeitdauer der Substitution ist nicht befristet. Es soll gemäß §5 BtMVV zwar grundsätzlich eine Opioidabstinenz angestrebt werden, die Erlangung der Betäubungsmittelabstinenz ist aber nicht vorab definierter Zweck dieser Behandlung.

  • Wesentliche Ziele der Substitution sind die Sicherstellung des Überlebens, Besserung und Stabilisierung des Gesundheitszustandes, Abstinenz von unerlaubt erworbenen oder erlangten Opioiden, Unterstützung der Behandlung von Begleiterkrankungen und die Verringerung der durch die Opioidabhängigkeit bedingten Risiken während einer Schwangerschaft.

  • Die genannten Ziele werden individuell festgelegt und gestaltet und können sich im Verlauf ändern [13], [14], [16].



Publication History

Article published online:
19 January 2026

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