Pneumologie 2026; 80(01): 11-12
DOI: 10.1055/a-2760-0230
Pneumo-Fokus

Wo Pneumologie das Besondere sucht – der neue WATL-Kongress steht bevor

Authors

Die Gründung der Wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft für die Therapie von Lungenkrankheiten (WATL) im Jahr 1963 war v.a. durch den Wunsch motiviert, die Qualität und Aussagekraft der Forschung zur Behandlung von Lungenkrankheiten in Deutschland zu verbessern. Obwohl die Phthisiologie und damit die wissenschaftliche Beschäftigung mit Tuberkulose bereits eine lange Tradition hatte, zeigte sich, dass viele Veröffentlichungen im deutschsprachigen Raum methodisch unzureichend waren und nicht den internationalen Standards entsprachen. Besonders bei der Prüfung neuer Medikamente, anfangs v.a. zur Tuberkulosetherapie, waren große Patientenzahlen und kontrollierte, multizentrische Studien notwendig – Anforderungen, die einzelne Kliniken damals allein nicht erfüllen konnten, auch wenn sie heute selbstverständlich sind. Die WATL setzte sich daher zum Ziel, exakte klinische Prüfungen und kontrollierte Studien zu initiieren, methodische Standards konsequent zu beachten und in Publikationen offenzulegen sowie moderne statistische Verfahren einzusetzen. Damit sollte die Forschung in der Pneumologie international anschlussfähig und wissenschaftlich fundiert werden. Die Gründungsmitglieder wollten so die Grundlage für eine bessere und zuverlässigere Therapie von Lungenkrankheiten schaffen und die wissenschaftliche Basis der klinischen Forschung in Deutschland deutlich stärken.

Inzwischen existieren in der Pneumologie in Deutschland und der Welt zahlreiche Organisationen und Arbeitsgruppen, die verschiedene Aufgaben wie Fort- und Weiterbildung, Leitlinienerstellung sowie Forschung übernehmen. Diese Strukturen sind zwar teilweise überschneidend, fördern aber auch Kreativität und Anpassungsfähigkeit. Die WATL ist innerhalb der DGP eine spezialisierte Gruppe, die sich besonders mit außergewöhnlichen Fragestellungen und Bedarfen in der Pneumologie beschäftigt. Die Forschungsförderung geht weiter, aber das zentrale Instrument der WATL sind die bislang alle zwei Jahre stattfindenden WATL-Kongresse mit dem Titel „Seltene Lungenkrankheiten“, die den Austausch und die Weiterbildung mit dem Anspruch fördern, das Fach zwar in seiner Breite, doch ausschließlich durch das Außergewöhnliche und Besondere darzustellen und dadurch einen eigenen Einblick in das Fach auf seinem neuesten wissenschaftlichen und klinischen Stand zu geben.

Der WATL-Kongress am 23. und 24. Januar 2026 in Berlin bietet unter dem neuen Leitsatz „Pneumologie, die gemeinsam weiterdenkt“ ein abwechslungsreiches und hochaktuelles Programm. Zum Auftakt steht die faszinierende „fibrotic journey“ im Mittelpunkt, die neue Entwicklungen im Verständnis von Lungenfibrosen beleuchtet. Im „Pneumologischen Kaleidoskop“ folgen seltene und unerforschte Krankheitsbilder wie Kalzifikationen an den Atmungsorganen, hormonabhängige Lungenerkrankungen, pulmonale Hämorrhagien und interstitielle Abnormitäten in der Low-dose-CT. Ein eigener Vortrag ist den verschiedenen Formen der COPD gewidmet. Der Block „ILD – Granulomatosen“ konzentriert sich auf die Abgrenzung seltener Vaskulitiden, neue Einblicke in die Sarkoidose sowie Histiozytosen im Erwachsenenalter.

Der zweite Tag beginnt mit einer Keynote lecture zu pulmonalen Nebenwirkungen moderner Systemtherapien bei Lungenkrebspatienten. Anschließend stehen neue Leitlinien zur Behandlung fibrosierender ILD, IgG4-assoziierte Syndrome und neue Antikörper im Rahmen der „IPAF“ im Fokus. Weitere Themen sind neue und bewährte Therapieansätze bei Lungenfibrose sowie seltene CFTR-assoziierte Erkrankungen. Im Block „Infektionserkrankungen“ werden neue Behandlungsprinzipien für Bronchiektasen, neue Lungenpathogene bei immunsupprimierten Patienten, aktuelle Entwicklungen zu Coronaviren und die hierzulande seltenen Aktinomyzeten als pulmonale Pathogene beleuchtet.

Im Namen des gesamten Vorstands der WATL laden wir Sie herzlich zur Teilnahme und Diskussion nach Berlin ein!
Anmeldung unter:

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Prof. Dr. med. Torsten Gerriet Blum,
Prof. Dr. med. Claus Neurohr,
Dr. med. Nicolas Schönfeld



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Article published online:
21 January 2026

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