PSYCH up2date 2026; 20(01): 6
DOI: 10.1055/a-2753-0074
Studienreferate

Lithium und Suizidalität: Wissenschaftliche Evidenz?

Authors

    Contributor(s):
  • Arnim Quante

Lithium gilt seit langem als wichtige medikamentöse Behandlung bei bipolarer Störung, vor allem bei Patienten mit manischen Episoden, aber auch als Augmentationsstrategie bei therapierefraktärer Depression. Bereits in den 1970er Jahren wurde auf seine potenziell antisuizidale Wirkung hingewiesen. Bipolare Störungen sind ein bedeutender Risikofaktor für Suizid, wobei etwa 10% der Betroffenen durch Suizid versterben und 20–30% mindestens einmal versuchen, sich das Leben zu nehmen. Studien zeigen, dass das Risiko für Suizidalität bei diesen Patienten im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung deutlich erhöht ist, insbesondere bei Frauen. Zahlreiche Beobachtungsstudien und Meta-Analysen deuten darauf hin, dass Lithium das Risiko für Suizid, Suizidversuche und tödliche Suizide senken kann. Trotz der Hinweise aus Beobachtungsstudien ist die Evidenz aus kontrollierten, randomisierten Studien begrenzt. Die Unterschiede in Studienmethoden, Stichprobengrößen, Behandlungsdauer und Lithiumspiegel erschweren eine klare Aussage. Zudem besteht die Möglichkeit, dass die beobachteten Effekte durch Confounder beeinflusst werden, etwa durch die Auswahl der inkludierten Patienten oder durch die Behandlungsmotivation der Patienten. So zeigte beispielsweise eine 2022 veröffentlichte Meta-Analyse keine signifikante Überlegenheit von Lithium auf Suizidalität. In dieser Meta-Analyse wurden allerdings nicht nur Patienten mit Bipolarer Störung inkludiert.



Publication History

Article published online:
19 January 2026

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