PSYCH up2date 2026; 20(01): 73-89
DOI: 10.1055/a-2604-9386
Essstörungen, somatische Belastungsstörungen, Schlafstörungen und sexuelle Funktionsstörungen

Aktuelle Befunde zur körperdysmorphen Störung

Implikationen für Diagnostik, Therapieplanung und -verlauf

Authors

  • Marie Drüge

  • Birgit Watzke

  • Tanja Roth

Dieser Beitrag führt anhand eines Fallbeispiels („Lydia“) durch zentrale Aspekte der körperdysmorphen Störung (KDS): von der Diagnosestellung und differenzialdiagnostischen Abgrenzung gegenüber anderen Störungen bis hin zur kognitiv-verhaltenstherapeutischen Behandlung mit Fokus auf Exposition, kognitive Arbeit und Rückfallprophylaxe. Dabei wird deutlich: KDS ist behandelbar – vorausgesetzt, sie wird erkannt und ernst genommen.

Kernaussagen
  • Die körperdysmorphe Störung (KDS) ist eine erst spät diagnostizierte psychische Störung, die sich in einer übermäßigen Beschäftigung mit vermeintlichen Makeln und zwanghaften Verhaltensweisen manifestiert und mit erheblichem Leidensdruck einhergeht.

  • Im ICD-11 und im DSM 5 wird die KDS jeweils als eigenständige Diagnose mit spezifischen Kriterien geführt.

  • Aktuelle Befunde zeigen, dass die Ätiologie der körperdysmorphen Störung multifaktoriell ist und somit verschiedene Ansatzpunkte für die Behandlung bietet.

  • Die Symptomatik ist gekennzeichnet durch das Streben nach einem vermeintlichen Schönheitsideal, dem sämtliche anderen Aspekte untergeordnet werden; zusätzlich befeuert durch Social Media.

  • Es entsteht ein Teufelskreis aus Sicherheits-/Vermeidungsverhalten und Selbstkritik, woraus erhöhte Suizidalität entstehen kann.

  • Die Diagnostik erfordert aufgrund hoher Komorbiditäten und ausgeprägter Scham eine sorgfältige Anamnese und Differenzialdiagnostik, der aufgrund der vielen psychiatrischen Komorbiditäten besondere Aufmerksamkeit zu schenken ist.

  • Für die psychotherapeutische Behandlung haben sich vor allem verschiedene Behandlungskomponenten der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) bewährt, unterstützt durch selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) bei schwereren Verläufen.



Publication History

Article published online:
19 January 2026

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