NOTARZT 2026; 42(01): 36-47
DOI: 10.1055/a-2593-8957
CME-Fortbildung

Bias – Fallstricke des Denkens

Bias – Pitfalls of Thinking

Authors

  • Doreen Reinbacher

  • Julia Taege

Durch Erfahrung, Lernen und Know-how haben wir über die Jahre gelernt, uns auf unsere „Intuition“, unser Bauchgefühl, zu verlassen. Vor allem in der Notfallmedizin, wo zeitkritische Entscheidungen, Diagnostik und Handeln so essenziell sind, werden Zweifel und allen voran Selbstzweifel nicht gern gesehen. Dabei kann ebenjener Moment der Unbequemlichkeit, der Reflexion des eigenen Denkens, das Outcome unserer Patienten und Patientinnen maßgeblich beeinflussen [1] [2].

Abstract

Our decision-making is influenced by System 1 and System 2 thinking. System 1 is responsible for fast, intuitive decisions, while System 2 is the mode of thinking we rely on for complex problems that require rational thought. System 1 accepts all outside influences uncritically and falls victim to several mechanisms that influence decision-making. This leads to higher mortality and morbidity in our patient population. Since we are blind to our biases, it is essential for medical practitioners to be aware of certain situations where bias can arise. Although over 170 types of bias have been so far identified, there are a few to which emergency physicians are particularly prone. In this article, we discuss gender bias, anchoring, confirmation bias, premature closure bias, framing, base rate neglect, blind spot bias, availability bias, as well as Sutton’s Law. There are several ways we can counter bias, once we recognize the pitfalls that threaten to lead us astray.

Kernaussagen
  • Unser Denken wird maßgeblich von 2 Einflussgrößen bestimmt:

    • System 1, das schnelle, intuitive, unbewusste Denken,

    • System 2, das rationale, langsame, bewusste Denken.

  • System-1-Denken fügt unablässig äußere Eindrücke zu einem Weltbild zusammen, trifft schnelle Entscheidungen und belohnt Bekanntes und kausales Denken mit einem Gefühl der Selbstsicherheit und Wohlbefinden.

  • System-2-Denken ist bewusst, langsam, rational und ressourcenintensiv. System 2 ist für Zweifel und komplexere Gedankengänge und Entscheidungen sowie für unsere Moralvorstellungen und Werte zuständig.

  • Aufgrund seiner fehlenden Wertung und unkritischen Annahme von äußeren Einflüssen ist System 1 anfällig für „Denkfehler“ in der Diagnosefindung, sogenannten Bias.

  • Bias tragen maßgeblich zu erhöhter Mortalität und Morbidität bei unseren Patienten und Patientinnen bei.

  • Da System-1-Denken nicht bewusst abläuft, unterliegen wir den unterschiedlichen Bias, ohne es zu bemerken.

  • Wir brauchen dezidiertes Wissen und bewusste Reflexion, um Situationen gewahr zu werden, die von Bias bedroht sind.

  • Es gibt verschiedene Möglichkeiten, diesen Bias bewusst entgegenzutreten. Dafür ist ein bewusstes Umschwenken in System-2-Denken sowie das Hinzuziehen von Checklisten, Scores etc. vonnöten, um System-1-Denken zu umgehen.



Publication History

Article published online:
09 February 2026

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