PSYCH up2date 2026; 20(01): 37-53
DOI: 10.1055/a-2569-7749
Schizophrenien und andere psychotische Störungen

Früherkennung und Frühbehandlung von Psychosen

Authors

  • Frauke Schultze-Lutter

  • Christian Theisen

  • Marius Wrulich

Psychosen, vor allem die des schizophrenen Spektrums, zählen trotz ihrer geringen Lebenszeitprävalenz von etwa 3,5% zu den teuersten und funktionell einschränkendsten psychiatrischen Erkrankungen. Dazu trägt auch ihre oft deutlich verzögerte Erstdiagnose und -behandlung bei, weshalb eine frühzeitige Erkennung und Behandlung – vorzugsweise bereits im durchschnittlich 5 Jahre dauernden potenziellen Prodrom – heute als unumgänglich angesehen wird.

Kernaussagen
  • Eine verlängerte Dauer der unbehandelten Psychose (DUP), der unbehandelten Erkrankung (DUI) sowie des unbehandelten Risikostadiums (DUR) ist mit einer ungünstigen Verlaufsprognose assoziiert, was die Notwendigkeit einer frühzeitigen Erkennung und Behandlung von psychotischen Erstepisoden und ihrer Risikostadien unterstreicht.

  • Die Diagnose der psychotischen Erstmanifestationen und deren klinischen Hochrisikostadien wird in erster Linie aufgrund der psychopathologischen Symptomatik gestellt.

  • Verschiedenste biopsychosoziale Faktoren wurden mit der Entstehung und Auslösung von Psychosen in Zusammenhang gebracht und im Vulnerabilitäts-Stress-Modell bzw. „Multiple-Hit“-Modell integriert. Diese postulieren, dass Personen mit einer vorbestehenden biogenetischen Krankheitsbereitschaft (Vulnerabilität) dann an einer Psychose erkranken, wenn zusätzliche ungünstige Umwelteinflüsse und Stressoren hinzutreten.

  • Die Behandlung von psychotischen Erstepisoden sollte mit einer Kombination von medikamentösen, psychotherapeutischen (v.a. kognitiv-verhaltenstherapeutischen) und aufsuchenden Verfahren (Fallmanagement) erfolgen und darüber hinaus bei Betroffenen aus einem stark belasteten familiären Umfeld durch familiäre Interventionen ergänzt werden.

  • In der Früherkennung und Frühbehandlung eines klinisch erhöhten Risikostadiums für die Entwicklung einer psychotischen Erstepisode sollten neben der Psychoseprävention auch dem psychosozialen Funktionsniveau und etwaig vorhandenen Komorbiditäten in der Erhebung und Behandlungsplanung Augenmerk geschenkt werden. Dabei werden in Zukunft auch KI-basierte personalisierte Ansätze stärker Anwendung finden.



Publication History

Article published online:
19 January 2026

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