Klin Monbl Augenheilkd 1988; 192(1): 11-19
DOI: 10.1055/s-2008-1050063
© 1988 F. Enke Verlag Stuttgart

Schieloperationen bei Jugendlichen und Erwachsenen

Surgical Management of Strabismus in Adolescents and AdultsN. Stärk
  • Univ.-Augenklinik Frankfurt/Main (Direktor: Prof. Dr. W. Doden) Abteilung für Kinderaugenheilkunde (Leiter: Prof. Dr. N. Stärk)
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Publication History

Manuskript erstmals eingereicht 19.1.1987

zur Publikation in der vorliegenden Form angenommen 17.9.1987

Publication Date:
11 February 2008 (online)

Zusammenfassung

Es wird über 370 Patienten mit ausgereifter Sensorik, die wir im Alter von 9-81 Jahren einer Schieloperation unterzogen haben, berichtet: 183 Exodeviationen (ca. 50%), 139 Esodeviationen (ca. 37%) und 48 Vertikalabweichungen (13%). Bezüglich der Operationsindikation bilden die kosmetischen Schieloperationen mit 172 Fällen (46,5%) anteilsmäßig die größte Untergruppe. Meist handelt es sich hierbei um vernachlässigte Fälle eines seit Kindheit bestehenden Begleitschielens. Um das Risiko postoperativer Diplopie abzuschätzen, wurde bei allen Patienten der Schielwinkel mit Prismen präoperativ ausgeglichen. In 17% der Fälle führten die kosmetischen Schieloperationen zu einem subnormalen Binokularsehen und in keinem Fall zu einer störenden permanenten Diplopie. Selbst beim Vorliegen einer anomalen retinalen Korrespondenz (ARK) ist das Risiko einer bleibenden postoperativen Diplopie sehr gering, trotzdem müssen die Patienten über diese recht seltene Komplikation nach der heutigen Rechtsauffassung in Deutschland ausführlich aufgeklärt werden. Offenbar ist die Plastizität der ARK auch nach Erlangung der visuellen Reife noch so groß, dass, selbst bei Erwachsenen, Schieloperationen mit kosmetischer Indikation erfolgreich ausgeführt werden können. Besonders günstig sind die Erfolge bei intermittierender Exotropie und auch noch bei konstant manifester Exotropie ohne Amblyopie.

Summary

The present paper reports on 370 strabismic patients who underwent surgery after they had reached visual adulthood (ages 9-81). Surgery was performed for 183 exodeviations (50%), 139 esodeviations (37%) and 48 hypertropias. Patients desiring cosmetic improvement formed the largest group (172 cases, 46,5%). Most of these patients had been suffering from neglected concomitant heterotropias since childhood, but 17% attained subnormal binocular vision. To assess the risk of diplopia preoperatively, the deviation was fully corrected with prisms. Although intolerable persistent postoperative diplopia is a very rare event, the risk of this complication must be clearly pointed out to all visually adult patients. Apparently most adults, even those who have an anomalous retinal correspondence, respond as necessary to the new position of the eye and learn to ignore, suppress or fuse an initial postoperative diplopia. The best surgical results, in terms of restoration of binocular vision, were obtained in cases of intermittent exotropia and manifest exotropia without amblyopia.