Zusammenfassung
Der Begriff Mangelernährung beschreibt in der Geriatrie eine defizitäre Energie- und Nährstoffversorgung mit ungünstigen klinischen Konsequenzen. Trotz ihrer großen Bedeutung für Morbidität und Mortalität existieren jedoch keine allgemein anerkannten Diagnosekriterien für die Mangelernährung des älteren Menschen.
Mit zunehmendem Alter spielt für die Diagnose einer Mangelernährung der Gesamteindruck des Ernährungsstatus eine größere Rolle als Einzelbefunde. Bei der Anamnese sind neben Appetitveränderungen und einem Gewichtsverlust mögliche Ursachen für eine geringe Nahrungsaufnahme systematisch zu erfragen.
Bei der körperlichen Untersuchung ist auf klinische Zeichen einer Mangelernährung (generalisierte Atrophie der Muskulatur, Schwund des Subkutanfettes) sowie auf Symptome einer Unterversorgung mit Mikronährstoffen zu achten. Die Erfassung der Nahrungsmenge kann wichtige Hinweise auf Energie- und Nährstoffdefizite liefern.
Unter den anthropometrischen Größen sind ein BMI < 20 kg/m² sowie ein Wadenumfang unter 31 cm von wesentlicher Bedeutung. Verlaufsdaten übertreffen dabei die Wertigkeit von Einzelmessungen. Die Labordiagnostik (z. B. Albumin) ist aufgrund ihrer geringen Spezifität für die Diagnose einer Mangelernährung in der Routine nicht aussagekräftig. Die Bioimpedanzmessung kann als Folge fortbestehender methodischer Probleme nur mit Einschränkung empfohlen werden. Sie bleibt für eine sinnvolle Verwendung bislang dem in dieser Methode Erfahrenen vorbehalten.
Screening- und Assessmentverfahren wie das MNA (Mini Nutritional Assessment) und der NRS (Nutritional Risk Screening) sind empfehlenswert, um Patienten mit Mangelernährung sowie solche mit einer diesbezüglichen Gefährdung schnell und einfach zu erkennen. Das MNA ist das bislang etablierteste Verfahren. Es ist geeignet für kooperationsfähige Patienten im ambulanten und Pflegeheimbereich. Eine insbesondere für Krankenhauspatienten und solche mit eingeschränkter Kooperation wertvolle Alternative ist das NRS.
Generell sollte das Screening auf Mangelernährung in der älteren Bevölkerung, insbesondere in den Risikobereichen Krankenhaus und Pflegeheim, routinemäßig erfolgen.
Summary
The concept of malnutrition in the geriatric population describes a deficient state of energy and nutrient intake with harmful clinical consequences. Despite of having a significant effect on morbidity and mortality, there are no generally accepted criteria for diagnosing malnutrition in the elderly.
With increasing age the general recognition of the nutritional status becomes more important for the diagnosis of malnutrition than isolated parameters. Recording a patient"s history must include any weight loss and changes in appetite. Reasons for a diminished nutritional intake must be explored systematically as well.
As part of physical examination one has to pay attention to clinical signs of malnutrition (general muscular atrophy, loss of subcutaneous fat) and to signs of micronutritient deficiencies. The documentation of oral intake can supply important evidence for deficient intake of energy and nutrients. Of special relevance among anthropometric values are a BMI of less than 20 kg/m and calf circumference of less than 31 cm. Individual follow-up data are superior to isolated measurements Laboratory diagnostic tests (for example albumin) are of minor importance for the diagnosis of malnutrition because of their low specificity. As a consequence of unsolved methodical problems, bioelectrical impedance analysis can currently be recommended only to those who are experienced with this method and its limitations.
Screening and assessment tools like Mini Nutritional Assessment (MNA) and Nutritional Risk Screening(NRS) are helpful for a quick and simple identification of malnourished patients and those who are at risk. The MNA is especially applicable for people who live independently and for cooperative residents of nursing homes. The NRS is a valuable alternativefor hospital patients and those unable to cooperate.
Screening for malnutrition should be routine practice in the elderly population, especially for those at high risk for it like in hospitals and in nursing homes.