Gesundheitswesen 2005; 67(4): 257-263
DOI: 10.1055/s-2004-813918
Originalarbeit

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Pharmakogenetische Tests in der zukünftigen medizinischen Versorgung: Implikationen für Patienten und Ärzte

Pharmacogenetics in Future Medical Care - Implications for Patients and PhysiciansA. Rogausch1 , J. Brockmöller2 , W. Himmel1
  • 1Bereich Humanmedizin, Abteilung Allgemeinmedizin, Georg-August-Universität Göttingen
  • 2Bereich Humanmedizin, Abteilung Klinische Pharmakologie, Georg-August-Universität Göttingen
Dieser Beitrag ist ein Ergebnis des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts „Qualitätsverbesserungen der allgemeinärztlichen Pharmakotherapie” (Medizinische Versorgung in der Praxis, MedViP) - Förderkennzeichen: 01 GK 0201.Wir danken allen Kolleginnen und Kollegen der MedViP-Studiengruppe (http://www.medvip.uni-goettingen.de/kontakt.htm) für Diskussion und Unterstützung.
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Publication Date:
26 April 2005 (online)

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Zusammenfassung

Ziel: Die Art der Einbindung pharmakogenetischer Untersuchungen in den medizinischen Alltag wird maßgeblich davon beeinflusst werden, ob und unter welchen Rahmenbedingungen Patienten und Ärzte diese akzeptieren. Ein Literatur-Review sollte die Frage beantworten, welche Implikationen und Konsequenzen Patienten und Ärzte bzw. Wissenschaftler bei der Anwendung pharmakogenetischer Untersuchungen erwarten oder vermuten. Methodik: Umfassende Literaturrecherche in MEDLINE (Stichworte: Pharmacogenetics, Delivery of Health Care, Ethics, Attitude, Patient Acceptance of Health Care) nach empirischen und theoretischen Arbeiten, die psychische, familiäre, soziale und ethische Implikationen pharmakogenetischer Untersuchungen beschreiben, um relevante Themen als Grundlage weiterer empirischer Arbeiten zu extrahieren. Ergebnisse und Schlussfolgerungen: Neben antizipierten Vorteilen könnten folgende Faktoren die Akzeptanz pharmakogenetischer Untersuchungen beeinflussen: Erwartung negativer psychosozialer Konsequenzen sowie Sorge um Diskriminierung oder Nichteinhaltung des Datenschutzes. Zudem dürften die Information über Testergebnisse und die Vermittlung der Implikationen pharmakogenetischer Untersuchungen aufgrund ihrer Komplexität eine Herausforderung in der Arzt-Patienten-Beziehung darstellen. Da sich diese Gesichtspunkte vornehmlich aus theoretisch-konzeptionellen Arbeiten ableiten, sind empirische Untersuchungen zur Einstellung von Patienten und Ärzten sowie zum medizinischen und gesundheitsökonomischen Nutzen pharmakogenetischer Untersuchungen dringend erforderlich.

Abstract

Purpose: Since public acceptance of pharmacogenetic testing will largely influence their implementation in routine medical care, common implications of pharmacogenetic testing from patients’, physicians’ and scientists’ perspective are reviewed. Methods: Broad literature review (MEDLINE; MeSH terms: Pharmacogenetics, Delivery of Health Care, Ethics, Attitude, Patient Acceptance of Health Care) of empirical and theoretical studies describing psychological, family-related, social, and ethical consequences of pharmacogenetic testing to describe relevant aspects for further empirical studies. Results: Apart from anticipated benefit, acceptance of pharmacogenetic testing might be influenced by the following: Expectation of negative psychosocial consequences, fear of discrimination or violation of privacy. Due to its great complexity, understanding of test results and explanation of their impact pose new challenges for physician-patient relations. Since most studies are conceptual, empirical studies exploring attitudes of patients/physicians and determining medical as well as economic value of pharmacogenetic testing are imperative.