Psychother Psychosom Med Psychol 2003; 53(9/10): 384-389
DOI: 10.1055/s-2003-42173
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Die Bedeutung von Persönlichkeitsstörungen für den Therapieverlauf einer ambulanten Alkoholentwöhnungstherapie

Effectiveness of Outpatient Treatment for Alcoholism - Impact of Personality Disorders on Course of TreatmentMiriam  Bottlender1 , Ronald  Bottlender1 , Carola  D.  Scharfenberg1 , Michael  Soyka1
  • 1Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Ludwig-Maximilians-Universität München (Direktor: Prof. Dr. H.-J. Möller)
Diese Untersuchung wurde gefördert durch die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA, Berlin)
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Publikationsverlauf

Eingegangen: 22. März 2002

Angenommen: 8. November 2002

Publikationsdatum:
11. September 2003 (online)

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Zusammenfassung

Obgleich Persönlichkeitsstörungen häufig als komorbide Störung bei alkoholabhängigen Patienten auftreten, ist deren Bedeutung für den Therapie- und Krankheitsverlauf bislang noch nicht ausreichend untersucht worden. Vor diesem Hintergrund sollen erste Ergebnisse einer klinischen und katamnestischen Studie zur Effizienz einer intensiven ambulanten Entwöhnungstherapie bei alkoholabhängigen Patienten berichtet werden, wobei speziell der Einfluss einer komorbiden Persönlichkeitsstörung auf Rückfallrate und Abbruchrate wegen Rückfälligkeit während der Entwöhnungsmaßnahme von 102 Patienten dargestellt wird. Die Patienten wurden nach mehrwöchiger Abstinenz mit dem SKID-II (DSM-IV) untersucht. Insgesamt schlossen 73 % der Patienten die Alkoholismusbehandlung erfolgreich ab. Bezüglich des Einflusses von Persönlichkeitsstörungen (PS) auf den Therapieerfolg zeigte sich, dass bei rückfälligen Patienten und Therapieabbrechern im Vergleich zu Patienten mit regulärem Therapieverlauf zwar Unterschiede in der Häufigkeit von Persönlichkeitsstörungen vorlagen, diese Unterschiede erreichten jedoch keine statistische Signifikanz. Auf deskriptiver Ebene zeigte sich, dass Patienten, die während der Therapie einen Alkoholrückfall hatten, häufiger mit einer negativistischen PS belastet waren. Wir gehen davon aus, dass die Bedeutung einer komorbiden PS auf den Therapieverlauf bislang möglicherweise überschätzt wurde. Die Befunde können hypothesengenerierend dahin gehend inperpretiert werden, dass auch Patienten mit einer komorbiden PS erfolgreich in hochstrukturierte ambulante Therapien integriert werden können.

Abstract

Personality disorders (PS) frequently exist as comorbid disorder in alcoholism. However, the impact of comorbid personality disorder on the treatment and course of alcoholism still remains unclear. On that background, the present study on the efficacy of an intensive out-patient therapy for alcohol-dependents investigated the influence of comorbid personality disorder on the relapse and dropout rate during the treatment phase in 102 patients. Personality disorders were assessed with the SCID-II (DSM-IV). On a descriptive level results indicate that comorbidity with negativistic personality disorder and Cluster B PS may adversely affect the course of treatment. Statistical analyses, however, revealed that the observed differences in the type or number of personality disorders between patients with or without relapse resp. between patients with or without dropout failed to reach statistical significance. Thus, we conclude that the relevance of comorbid personality disorder on the course of alcoholism may be overestimated. The present results indicate that patients with comorbid personality disorder can be successfully integrated into a high-structured outpatient therapy.