Fortschr Röntgenstr 2001; 173(7): 672-673
DOI: 10.1055/s-2001-15827
DER INTERESSANTE FALL
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Cholesterolgranulom der Felsenbeinspitze: Eine mit CT und MRT sicher charakterisierbare Läsion

B. Kirschsieper, E. C. Kirsch
  • Basel, Schweiz
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Publication Date:
31 December 2001 (online)

Wir beschreiben die bildgebenden Charakteristika eines Cholesterolgranuloms der Felsenbeinspitze, die eine artspezifische Diagnose erlauben.

Das Cholesterolgranulom ist eine seltene Erkrankung, es stellt ca. 6-7 % aller raumfordernden Läsionen im Kleinhirnbrückenwinkel (KHBW) (Brodkey JA et al., J Neurosurg 1996; 85: 625). Von den Läsionen der Felsenbeinspitze ist es aber mit ca. 60 % die häufigste, gefolgt von Cholesteatomen mit ca. 9 % und Arachnoidal-Zysten (Muckle RP et al., Am J Otol 1998; 19 : 219).

Ätiologisch wird eine chronische Belüftungsstörung der Paukenhöhle bzw. der Felsenbeinspitze mit Entstehung von Unterdruck, Transsudation von Blut und Sekretretention angenommen. Das im Rahmen der Hämolyse freigesetzte Cholesterin bzw. die freigesetzten Cholesterinpräzipitate induzieren eine Fremdkörperreaktion, die zu einer allmählichen Destruktion der Felsenbeinspitze führt.

Histologisch lassen sich Cholesterinkristalle, die von Fremdkörper-Riesenzellen umgeben sind, nachweisen. Der zystische Inhalt mit Cholesterin, Fett und Hämosiderin zeigt bei öliger Grundkonsistenz makroskopisch eine gelblich bis bräunliche Färbung (Chang P et al., Laryngoscope 1998, 108 : 599).

Die Ätiologie wird kontrovers diskutiert, da bei Patienten mit Cholesterolgranulomen anamnestisch eine Affektion des Mittelohrs im Gegensatz zum Cholesteatom nicht zu eruieren ist (Lorenz KJ et al., Laryngorhinootologie 1996; 75 : 775).

Die Patienten sind zunächst asymptomatisch, bis die Raumforderung angrenzende Strukturen tangiert und schließlich komprimiert. Bei einem Wachstum nach ventromedial entlang der Felsenbeinlängsachse können vor allem die Hirnnerven II, III, IV und VI im Sinus cavernosus lädiert werden. Hier kann die Läsion im weiteren Verlauf Anschluss an den Sinus sphenoidalis gewinnen. Nach kaudal dem Clivus entlang kann eine Affektion der Hirnnerven V, VI, VII und VIII entstehen. Nach kaudodorsal in Richtung KHBW und Canalis hypoglossi können die Hirnnerven VII und XII mit einbezogen werden (Chang P et al., s. o.; Lorenz KJ et al., s. o.). Erreicht der Prozess den Liquorraum, sind eine meningitische Symptomatik oder die Entstehung einer Liquorfistel möglich.

Die häufigsten klinischen Symptome sind: Hörminderung, Kopfschmerzen, Fazialisaffektion, Tinnitus, Schwindel, Otalgie und Sehstörungen (Lorenz KJ et al., s. o.).

Die Behandlung erfolgt durch eine Drainage bzw. Marsupialisation in die Mittelohrräume über einen infralabyrinthären, translabyrinthären oder transsphenoidalen Zugang mit Drainage in den Sinus sphenoidalis. Wegen zum Teil unbefriedigender Langzeitergebnisse wird eine totale bzw. subtotale Ausräumung über einen transtemporalen Zugang favorisiert (Lorenz KJ et al., s. o.; Eisenberg MB et al., J Neurosurg 1997; 86 : 822).