Pneumologie 2000; 54(12): 564-568
DOI: 10.1055/s-2000-9189
ORIGINALARBEIT
ZELLBIOLOGIE
Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Das Rekruitment immun-kompetenter Zellen in eine transplantierte Lunge ist trotz inkompletter Reinnervierung nicht behindert

A. Lührmann1 , R. V. Haberberger2 , C. Mörike3 , G. Steinhoff3 , N. Krug4 , R. Pabst1 , T. Tschernig1
  • 1Abteilung für Funktionelle und Angewandte Anatomie, Medizinische Hochschule Hannover
  • 2Institut für Anatomie und Zellbiologie, Justus-Liebig-Universität, Gießen
  • 3Abteilung für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie, Medizinische Hochschule Hannover
  • 4Abteilung für Pneumologie, Medizinische Hochschule Hannover
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Publication Date:
31 December 2000 (online)

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Zusammenfassung:

Hintergrund: Es ist unklar, ob der chirurgische Eingriff der Transplantation mit Durchtrennung sowohl der vegetativen Innervation als auch der Lymphgefäße und Bronchialarterien zu einer Veränderung von Immunreaktionen führt. Im Tierversuch sollte geklärt werden, ob eine induzierte Immmunreaktion nach einer Lungentransplantation uneingeschränkt ablaufen kann. Das Rekruitment von Immunzellen und der Innervierungszustand der Lungen sollte beurteilt werden. Methode: Die Untersuchungen erfolgten im syngenen Rattenmodell vier Monate nach einer orthotopen, linksseitigen Lungentransplantation ohne Abstoßungsreaktion und ohne immunsuppressive Behandlung. Bei einem Teil der Tiere wurden Leukozyten des Spenders und Empfängers differenziert. Nach Induktion einer pulmonalen Immunreaktion durch Ovalbumin (OVA) wurden die Zellen der Bronchoalveolären Lavage (BAL) und des Lungeninterstitiums für die Quantifizierung und Typisierung von Zellpopulationen immunzytologisch markiert und mittels Durchflusszytometer bzw. im Lichtmikroskop ausgewertet. Dabei wurde die rechte Kontrolllunge mit der linken transplantierten Lunge verglichen. Die Beurteilung des Innervierungszustandes erfolgte durch indirekte Immunfluoreszenz auf Gefrierschnitten. Ergebnisse: Die Gesamtzellzahl der Leukozyten in der transplantierten Lunge ist nicht vermindert. Die Population der CD4+ T-Zellen in der BAL der Transplantatlunge ist gegenüber der Kontrollseite signifikant erhöht. Die Lunge ist partiell reinnerviert und beinhaltet in der BAL vereinzelt ortsständige, spenderspezifische Leukozyten. Schlussfolgerungen: Das Rekruitment von Abwehrzellen in die transplantierte Lunge nach induzierter Immunreaktion ist nicht eingeschränkt. Eine unvollständige Reinnervierung hat keinen Einfluss auf eine zelluläre Entzündungsreaktion.

The Recruitment of Immune Cells into a Grafted Lung is not Impaired in Spite of Incomplete Reinnervation:

Background: It is not clear whether surgical intervention during lung transplantation which includes cutting vegetative nerves, lymphatic vessels and bronchial arteries, leads to alterations in immune responses. Thus, it was studied in an animal model whether an induced pulmonary immune reaction after syngenic lung transplantation was impaired without the influence of immunosuppression and rejection. The recruitment of leukocytes and the status of reinnervation was examined. Methods: Syngenic transplantation of the left lung was performed in Lewis rats without rejection and therefore without immunosuppressive therapy. In a subgroup of animals host and donor leukocytes were distinguished. An ovalbumin (OVA)-specific pulmonary immune response was induced four months after transplantation. Bronchoalveolar lavage (BAL) and interstitial leukocytes were examined using flow cytometry and immunocytology, comparing the right lung and the grafted left lung. Immunohistology was performed to detect nerve fibers on cryostat sections. Results: An induced cellular inflammation was observed in the right host lung as well as in the grafted left lung. However, the CD4 T cell numbers in the BAL were increased in the left lung. Single donor-type leukocytes could still be observed four months after transplantation. A partial reinnervation was found. Conclusions: The recruitment of immune cells into the lung interstitium and bronchoalveolar space of grafted lungs is not impaired. The incomplete reinnervation has no influence on leukocyte recruitment.