Gesundheitswesen 2019; 81(01): 24-33
DOI: 10.1055/s-0042-123852
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Neuberechnung der tabakattributablen Mortalität – Nationale und regionale Daten für Deutschland

Recalculation of Tobacco-Attributable Mortality: National and Regional Data for Germany
Ute Mons
1  Deutsches Krebsforschungszentrum, Stabsstelle Krebsprävention, Heidelberg
,
Sarah Kahnert
1  Deutsches Krebsforschungszentrum, Stabsstelle Krebsprävention, Heidelberg
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Publication Date:
15 May 2017 (eFirst)

Zusammenfassung

Einleitung Tabakkonsum ist weltweit jährlich für etwa 5 Mio. Todesfälle verantwortlich. Damit ist er das bedeutendste einzelne vermeidbare Gesundheitsrisiko. In diesem Beitrag werden Ergebnisse einer Neuberechnung der tabakattributablen Mortalität in Deutschland dargestellt und dabei geschlechtsspezifische und regionale Unterschiede aufgezeigt.

Daten und Methode Die Berechnung erfolgte auf Basis der Prävalenz der aktuellen und ehemaligen Raucher (Datenbasis: Mikrozensus 2013), der relativen Mortalitätsrisiken von aktuellen und ehemaligen Rauchern für Erkrankungen, bei denen durch Tabakkonsum ein erhöhtes Mortalitätsrisiko besteht, sowie der Anzahl der Todesfälle nach ICD-10-Diagnosen (Datenbasis: Todesursachenstatistik 2013). Erstmals wurden auch Darm- und Leberkrebs sowie Typ-2-Diabetes und Tuberkulose berücksichtigt.

Ergebniss Im Jahr 2013 sind 121 087 Todesfälle auf das Rauchen zurückzuführen, davon 84 782 Todesfälle bei Männern und 36 305 Todesfälle bei Frauen. Damit sind 13,5% aller Todesfälle dem Rauchen zuzuschreiben. Die tabakattributable Mortalitätsrate ist bei Männern höher als bei Frauen und regional besteht ein Nord-Süd-Gefälle.

Schlussfolgerung Die Anzahl der tabakbedingten Todesfälle ist beträchtlich und höher als bislang angenommen. Im Vergleich zum Jahr 2007 ist in absoluten Zahlen gesehen eine Zunahme zu verzeichnen, bei der tabakattributablen Mortalitätsrate hingegen ein leichter Rückgang. Aufgrund der demografischen Alterung der Bevölkerung wird die absolute Zahl tabakattributabler Todesfälle in den kommenden Jahren voraussichtlich weiterhin ansteigen.

Abstract

Introduction Tobacco use accounts for about 5 million annual premature deaths worldwide. Tobacco thus is the single most important preventable health risk. In this paper we present a recalculation of tobacco-attributable mortality in Germany, and examine gender and regional differences.

Data and Methods The calculation is based on the prevalence of current and former smokers, the relative mortality risks for diseases for which tobacco use is associated with an increased mortality risk, and the number of deaths by ICD-10 diagnoses. For the first time, colorectal and liver cancer as well as type 2 diabetes and tuberculosis were taken into consideration.

Results In 2013, 121 087 deaths were attributable to smoking (i. e. 13.5% of all deaths), including 84 782 deaths in men and 36 305 deaths in women. The tobacco-attributable mortality rate was higher in men than in women, and in terms of regional discrepancies a north-south-gradient was observed.

Conclusion The number of tobacco-attributable deaths is substantial and higher than previously predicted. Compared to 2007, numbers have increased in absolute terms, whereas in relative terms the tobacco-attributable mortality rate declined. Given processes of demographic aging, a continued rise in absolute numbers of tobacco-attributable mortality is to be expected in the future.