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DOI: 10.1055/s-0042-108579
Soziale Ungleichheit bei der Inanspruchnahme onkologischer Versorgungsangebote
Social Inequality in Utilization of Aftercare Services Among Breast and Prostate Cancer PatientsPublikationsverlauf
Publikationsdatum:
14. Juni 2016 (online)


Zusammenfassung
Fragestellung: Die vorliegende Studie untersucht, inwieweit soziale Ungleichheiten bei der Inanspruchnahme von Maßnahmen nach akutstationärer Behandlung bei Prostata- und Brustkrebspatienten bestehen.
Methodik: Die Daten stammen aus einer prospektiven, multizentrischen Beobachtungsstudie. Studienteilnehmer waren 483 primärerkrankte Patienten mit Brust- oder Prostatakrebs (UICC-Stadien 0-IV) im Alter zwischen 18 und 65 Jahren. Die Patienten wurden nach der Operation sowie 6 Monate später schriftlich zur Inanspruchnahme psychosozialer Maßnahmen, medizinischer Rehabilitation und alternativkomplementärer Medizin (CAM) befragt. Der soziale Status wurde durch die Indikatoren Beruf, Bildung und Einkommen erfasst. Zudem wurde der Krankenversichertenstatus abgefragt. Für die Analyse wurden logistische Regressionen getrennt nach Tumorlokalisation unter Kontrolle von Alter und erkrankungsbezogenen Faktoren wie Erkrankungsschwere und psychische Komorbidität durchgeführt.
Ergebnisse: Die Zusammenhänge zwischen sozialer Ungleichheit und der Inanspruchnahme variieren in Abhängigkeit der erfassten Ungleichheitsindikatoren und der nachstationären Versorgungsangebote. Am stärksten und konsistentesten sind die Zusammenhänge bei der Inanspruchnahme von CAM. Diese Angebote werden verstärkt durch Patienten mit einem hohen sozialen Status und privater Krankenversicherung in Anspruch genommen. Bei der Rehabilitation zeigen sich hingegen eher schwache und inkonsistente Ungleichheiten. Zudem sind die Ungleichheiten bei Prostatakrebspatienten schwächer ausgeprägt als bei Brustkrebspatientinnen.
Schlussfolgerung: Es bestehen inkonsistente soziale Ungleichheiten bei der Inanspruchnahme von Maßnahmen nach akutstationärer Behandlung bei Prostata- und Brustkrebspatienten. Es bleibt zu klären, inwieweit diese Ungleichheiten auf Zugangsbarrieren, unterschiedliche Informiertheit oder unterschiedliche Präferenzen zurückzuführen sind.
Abstract
Objectives: This study examines social inequalities in the utilization of medical rehabilitation, complementary and alternative medicine (CAM) and psychosocial support programs among patients with prostate and breast cancer after surgery.
Method: A prospective, multicenter observational study was conducted. Subjects were 483 patients after primary manifestation of prostate and breast cancer (UICC-Stadium 0-IV) aged between 18 and 65 years. Patients were asked to fill out a questionnaire after surgery and 6 months later. Social inequality was measured by education, income and occupational status. In addition, the insurance status (private vs. statutory) was taken into account. Logistic regression models were used separately for each cancer site. The analyses were controlled for age, tumor stage and mental comorbidity.
Results: The associations between social inequality and the utilization of aftercare services vary by inequality indicator and the different health care services. Inequalities in utilization of CAM are most pronounced and consistent. Differences between status groups are small in utilization of rehabilitation. Among breast cancer patients, inequalities are more pronounced than among prostate cancer patients.
Conclusion: Social inequalities in utilization of aftercare services among breast and prostate cancer patients are inconsistent. Future investigations should clarify to what extent such inequalities are due to access barriers or due to differences in health literacy or preferences.