Erfahrungsheilkunde 2016; 65(04): 201-205
DOI: 10.1055/s-0042-105347
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© Karl F. Haug Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG

Nocebo-Antworten in der komplementären Medizin - Möglichkeiten ihrer Vermeidung

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Publication Date:
30 August 2016 (online)

Zusammenfassung

Der Nocebo-Mechanismus wird als biopsychosoziales Phänomen beschrieben. Alles, was Behandler bewusst oder unbewusst über Informationen und Kommunikation machen bzw. unterlassen, kann vor einem bestimmten Hintergrund zu einem Heil- oder Nocebo-Reiz werden. Ist aufseiten des Patienten ein für Nocebos fruchtbares Milieu (negative Erfahrungen, Konditionierungen, Angst und negative Erwartungen) vorhanden, so entstehen sowohl auf psychologischer als auch physiologischer Ebene Symptome bzw. verschlimmern sich solche. Dies kann bis zum psychogenen Tod führen. Im klinischen Alltag gilt es, iatrogene Nocebo-Reize so weit wie möglich zu vermeiden und den Patienten dabei zu unterstützen das noceboförderliche Milieu positiv zu verändern. Im Artikel wird beispielhaft auf diese Problematik hingewiesen und es werden zwei ethische Grundsätze im Kontext der Nocebo-Problematik diskutiert.

The nocebo mechanism is described as a bio-psychosocial phenomenon. What physicians do or don’t do consciously or unconsciously via information or communication, can become a healing or nocebo stimulus against a certain background. When, on the part of the patient, a milieu favorable for nocebos is present (negative experience, conditionings, fear, and negative expectations), then symptoms develop or aggravate on a psychological as well as physiological level. This can even lead to a psychogenic death. In daily clinical practice, iatrogenic nocebo stimuli should be avoided as far as possible and the patient should be supported, to positively change the milieu, which is favorable for nocebos. In the article, this problem is pointed out using examples, and two ethic principles are discussed in the context of the nocebo problem.

Nocebo, fear, communication between physician and patient, ethic principles.

 
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