Fortschr Neurol Psychiatr 2015; 83(1): 49-62
DOI: 10.1055/s-0034-1385776
Fort- und Weiterbildung
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Depressive Störungen bei Jugendlichen: Diagnostik und Therapie

Depressive Disorders in Juveniles: Diagnosis and Therapy

Autor*innen

  • S. Naab

  • M. Hauer

  • U. Voderholzer

  • M. Hautzinger

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Publikationsverlauf





Publikationsdatum:
20. Januar 2015 (online)

Einleitung

Depressionen gehören bei Jugendlichen ebenso wie bei Erwachsenen zu den häufigsten und schwerwiegendsten psychischen Störungen und wurden dennoch erst in den letzten Jahren mehr und mehr zu einem relevanten Forschungsthema. Genau das stellt sowohl Theoretiker als auch Praktiker heute vor das große Problem, noch zu wenig über die Entstehung, den Verlauf und v. a. die wirksamsten Therapiemöglichkeiten für diese Altersgruppe zu wissen. Auswirkungen hat das eher geringe Wissen auch auf die aktuelle Versorgungslage depressiver Jugendlicher, die in Deutschland heute noch als nicht ausreichend anzusehen ist. So erhält derzeit nur etwa die Hälfte der Betroffenen eine nach den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie e. V. (DGKJP) [1] empfohlene Psychotherapie und eine noch geringere Zahl wird mit Psychopharmaka oder einer Kombination aus beiden behandelt.

Merke

Die therapeutische Versorgungslage depressiver Jugendlicher ist in Deutschland nicht ausreichend.

Wenn Kinder oder Jugendliche an Depressionen erkranken, hat das häufig gravierende Auswirkungen sowohl auf die psychische als auch auf die physische und soziale Entwicklung der Heranwachsenden. Betroffene zeigen häufiger Schwierigkeiten in sozialen Interaktionen mit Gleichaltrigen, haben mehr Schulprobleme und neigen eher zu Schulabbrüchen. Zusätzlich steigt die Gefahr, Drogen oder Alkohol zu konsumieren und auf die schiefe Bahn zu geraten. Auch die Entwicklung komorbider psychischer Störungen ist im Vergleich zu den Altersgenossen deutlich häufiger und es ist eine höhere Vulnerabilität für somatische Krankheiten zu erkennen. Zudem steigt mit der bei vielen Jugendlichen zu beobachtenden Isolation und Hoffnungslosigkeit das Risiko einer suizidalen Handlung, sodass Depressionen zu den häufigsten Todesursachen im jungen Erwachsenenalter zählen.

Merke

Suizide infolge von Depressionen zählen zu den häufigsten Todesursachen Jugendlicher.

Diese Erkenntnisse zeigen auf, wie wichtig eine Weiterentwicklung der Therapiemöglichkeiten von Depressionen bei Jugendlichen ist.