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DOI: 10.1055/s-0033-1363907
Kasuistik: Relaxansüberhang durch Pseudocholinesterasemangel – Erstmanifestation in höherem Alter
Residual relaxant block due to pseudocholinesterase deficiency – First manifestation in an elderly patientPublication History
Publication Date:
20 January 2014 (online)


Zusammenfassung
Die Pseudocholinesterase (BChE) inaktiviert die Muskelrelaxanzien Mivacurium und Suxamethonium. Ein Pseudocholinesterasemangel kann eine deutlich verlängerte Wirkdauer dieser Substanzen nach sich ziehen und eine protrahierte Nachbeatmung erforderlich machen. Wir berichten über den Fall einer 65-jährigen Patientin, bei der erstmalig im Rahmen eines Elektiveingriffs ein homozygoter Pseudocholinesterasemangel diagnostiziert wurde. Das neuromuskuläre Monitoring leistet hier einen wichtigen Beitrag zur Patientensicherheit.
Abstract
Pseudocholinesterase or butyrylcholinesterase (BChE) inactivates the relaxant drugs mivacurium and suxamethonium. A deficiency in plasma activity of this enzyme may result in prolonged muscular paralysis and subsequently the need for an extended duration of mechanical ventilation. We report the case of a 65-year-old patient who was diagnosed with butyrylcholinesterase deficiency for the first time during elective surgery. Neuromuscular monitoring constitutes a central diagnostic asset in ensuring patient safety.
Kernaussagen
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Der BChE-Mangel ist häufig genug, um ein relevantes Anästhesieproblem darzustellen (homozygot 1 : 3000, heterozygot 1 : 500).
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Es existiert keine kausale Therapie. Nachbeatmung und Sedierung bis zum spontanen Abklingen der Relaxation sind die symptomatische Therapie der Wahl.
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Die Diagnose wird mittels Untersuchung der Dibucainzahl gestellt: Je niedriger die Dibucainzahl, desto schwerer der Mangel.
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Es existieren verschiedene genetisch bedingte und erworbene Formen, sodass auch bei ungewöhnlichen Konstellationen an einen BChE-Mangel gedacht werden sollte.
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Neben Muskelrelaxanzien existieren weitere Substanzen, deren Pharmakokinetik bei BChE-Mangel verändert ist (z. B. Lokalanästhetika).
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Die prolongierte Nachbeatmung kann zu einem organisatorischen Problem führen. Rechtzeitige Kommunikation mit Intensivstation und Operateuren vermeidet Verwirrung.
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Die Wirkdauer von Muskelrelaxanzien kann interindividuell erheblich variieren.
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Awareness unter Relaxation ist eine besondere Gefahr für Patienten und ein klassischer Angstfaktor vor Narkosen.
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Neuromuskuläres Monitoring und ein kritischer Umgang mit Nachrelaxation während der OP-Phase erhöhen die Patientensicherheit.
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Patienten mit BChE-Mangel sollten einen Anästhesieausweis erhalten.