Klin Monbl Augenheilkd 2013; 230(12): 1230-1237
DOI: 10.1055/s-0033-1350929
Klinische Studie
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Analyse und Langzeitbeobachtung nach chirurgischer Therapie bei Patienten mit Iristumoren

Analysis and Long-Term Observation after Surgical Treatment of Patients with Tumours of the Iris
U. Kühn
1   Klinik für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Jena
,
I. Petersen
2   Institut für Pathologie, Universitätsklinikum Jena
,
J. Strobel
1   Klinik für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Jena
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Publikationsverlauf

eingereicht 20. Dezember 2012

akzeptiert 28. August 2013

Publikationsdatum:
10. Dezember 2013 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund: Uveale Melanome machen den größten Anteil intraokularer maligner Tumoren beim Erwachsenen aus. Irismelanome machen dabei nur einen Anteil von 2–3 % der uvealen Melanome aus. Die Unterscheidung zwischen gutartigen Irisnävi und bösartigen malignen Melanomen der Iris ist oft schwierig.

Patienten und Methoden: Ziel der vorliegenden Arbeit war es, Patienten mit Tumoren der vorderen Uvea, die zwischen 1992 und 2011 an der Augenklinik des Universitätsklinikums Jena operativ versorgt wurden, zu erfassen, zu analysieren und nachzubeobachten. Es wurden Patienten, präoperativ erhobene Befunde, Operationsverfahren einschließlich aufgetretener Komplikationen, histologische Ergebnisse, postoperative Funktion, subjektive Beschwerden und Risiko für eine Metastasierung und die damit verbundene Sterblichkeitsrate in Abhängigkeit der Tumordignität analysiert und miteinander verglichen. Im analysierten Zeitraum handelte es sich um 40 Patienten. 26 Patienten konnten in die Nachbeobachtung eingeschlossen werden. Patienten, bei denen sich nach histologischer Aufarbeitung des Gewebes ein maligner Tumor bestätigt hatte, wurde eine Nachkontrolle angeboten.

Ergebnisse: Nach histologischer Beurteilung wurden bei 24 Patienten benigne Tumoren und bei 16 Patienten maligne Tumoren bestätigt. Nach genauer Analyse zahlreicher Parameter zeigten nur die präoperative Sehschärfe (p = 0,025) und die Tumorgröße (p = 0,011) statistisch signifikante Unterschiede zwischen den beiden analysierten Patientengruppen. Die Rate für schwerwiegende postoperative Komplikationen lag bei 11,4 %. Subjektive Beschwerden nach operativer Tumorentfernung wurden von ca. einem Viertel der Patienten beklagt. In der Nachbeobachtung konnte gezeigt werden, dass eine Sehschärfe von 0,5 oder besser in 68 % der Fälle erhalten werden konnte.

Schlussfolgerung: Eine sichere Diagnosestellung ist nur mittels histologischer Untersuchung möglich. Die untersuchten Parameter können nur Hinweise bez. der Tumordignität geben. Die Strategie, nach der an der Universitätsaugenklinik Jena bei unklarer Irisläsion verfahren wird, nämlich die frühe chirurgische Tumorentfernung unter Bulbuserhalt, ist sinnvoll, da wenig schwere postoperative Komplikationen auftreten, die Patienten geringe subjektive postoperative Beschwerden beklagen und ein guter Visuserhalt möglich ist.

Abstract

Background: Uveal melanoma is the most common primary intraocular malignancy in adults. Iris melanomas are rare tumours: they account for 2–3 % of all uveal melanomas. The clinical differentiation between benign iris nevi and malignant iris melanomas can be difficult.

Patients and Methods: The aim of this study was the registration, analysis and observation of all patients with tumours of the anterior uvea who had been treated surgically between 1992 and 2011 at the ophthalmic department of the University Hospital of Jena. 40 patients were analysed and compared concerning their preoperative states, operating methods including complications, histological results, postoperative function, subjective complaints as well as the risk of metastasis and the associated dependence on mortality of the dignity of the tumours. In this time period 26 patients has been observed in a follow-up visit. Patients with a malignant tumour were offered an examination.

Results: The histological examination revealed for 24 patients a benign tumour and for 16 patients a malignant tumour. After an exact analysis of multiple parameters there was only a statistically significant difference in the preoperative visual acuity (p = 0.025) and in the tumour size (p = 0.011) between the two analysed groups of patients. The rate of serious postoperative complications was 11.4 %. One fourth of the patients complained of subjective problems after the surgical intervention. In the follow-up visit a visual acuity of 0.5 or better was achieved in 68 % of all interventions.

Conclusions: A reliable diagnosis is only possible after histological examination. The analysed parameters can only give indications for the dignity of the tumour. The strategy of the ophthalmic department of the University Hospital of Jena to remove a tumour of uncertain dignity at an early state makes sense, because there are few postoperative complications, few patients complain about subjective problems and the chances for achieving good visual acuity are high.