Fortschr Röntgenstr 2013; 185 - RK208_3
DOI: 10.1055/s-0033-1345926

Kadi-Läsionen (EBG, OSG) – Nichts verpassen!

JD Moritz 1
  • 1Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel, Klinik für diagnostische Radiologie, Pädiatrische Radiologie und Sonografie, Kiel

Als Kadi-Läsionen werden 5 Verletzungen bezeichnet, deren verzögerte Diagnose zu schwerwiegenden Komplikationen führen kann, für die der Patient den Arzt vor den „Kadi“ ziehen kann.

Bei Frakturen des Condylus radialis kann der ständige Druck des Radiusköpfchens auf den Condylus dazu führen, dass die Fraktur trotz Ruhigstellung im Gips sekundär disloziert. Daraus können Wachstumsstörungen und Verzögerungen der Konsolidierung bis hin zur Pseudarthrose resultieren. Zum Erkennen der sekundären Dislokation ist eine Röntgenaufnahme nach 4 Tagen ohne Gips erforderlich.

Eine Radiusköpfchenluxation, isoliert oder im Rahmen einer Monteggia-Läsion, ist bei primärer Diagnose einfach durch eine geschlossene Reposition zu therapieren. Eine zunächst übersehene Luxation ist sekundär nur nach Ulnaosteotomie zu reponieren mit schlechtem Spätergebnis.

Ein Rotationsfehler einer suprakondylären Humerusfraktur ist mit einer schweren Instabilität verbunden und kann zu einem Abkippen des distalen Fragmentes nach ulnar führen. Die daraus resultierende Varusfehlstellung kann nicht spontan korrigiert werden. Kennzeichen des Rotationsfehlers ist das Auftreten eines ventralen oder seltener dorsalen Rotationssporns.

Werden bei einer Grünholzfraktur der proximalen Tibiametaphyse die primäre Valgusfehlstellung nicht beseitigt und der mediale Frakturspalt nicht komprimiert, resultiert eine Konsolidationsstörung, erkennbar an einem klaffenden medialen Frakturspalt. Es entsteht ein zunehmendes einseitiges Genu valgum.

Kommt es bei Frakturen des Malleolus medialis der distalen Tibia zu einer Dislokation, resultieren Wachstumsstörungen. Zur Beurteilung der Dislokation ist eine gedrehte Röntgenaufnahme des oberen Sprunggelenkes erforderlich.

Rechtzeitige Diagnose und Einleitung geeigneter Therapiemaßnahmen können die Komplikationen verhindern.

Lernziele:

  • Kennenlernen der Kadi-Läsionen

  • Kenntnis haben von geeigneten Röntgenaufnahmen für ihre Diagnose

  • Erlernen der möglichen Komplikationen

Korrespondierender Autor: Moritz JD

Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel, Klinik für diagnostische Radiologie, Pädiatrische Radiologie und Sonografie, Schwanenweg 20, 24105 Kiel

E-Mail: joerg.d.moritz@rad.uni-kiel.de