TumorDiagn u Ther 2013; 34(6): 326-329
DOI: 10.1055/s-0032-1319755
Schwerpunkt: Krebs und Schwangerschaft
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Übersicht – Psychosoziale Betreuung von schwangeren Krebspatientinnen

M. Keller
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Publication Date:
20 September 2013 (online)

Wenn eine schwangere Frau an Krebs erkrankt, prallen Gegensätze aufeinander, die kaum größer sein könnten. In Deutschland sind jedes Jahr etwa 700 Frauen mit dem Dilemma einer Krebserkrankung während der Schwangerschaft konfrontiert, die häufigste Diagnose ist Brustkrebs. Mit einem weiteren Anstieg von Krebsdiagnosen während oder kurz nach einer Schwangerschaft muss gerechnet werden, da viele Frauen die Schwangerschaft in spätere Lebensphasen verschieben.

Dass das Thema Krebs in der Schwangerschaft – zu der auch die Postpartalzeit und das erste Lebensjahr des Kindes zählen – aktuell vermehrt Aufmerksamkeit erfährt, liegt vor allem an klinischen Erfahrungen und neueren Studienergebnissen, die übereinstimmend belegen, dass wirksame Tumortherapien während der Schwangerschaft ohne nachhaltige Beeinträchtigung des Ungeborenen möglich sind. Neben operativen Eingriffen, die in allen Phasen der Schwangerschaft ohne erhöhtes Risiko für das Kind durchgeführt werden können, zeigen eine Reihe von Studien, dass (neo-)adjuvante Chemotherapien bei Brustkrebs mit Anthrazyklinen und Taxanen ab dem zweiten Trimenon nach Abschluss der Organogenese keine gravierenden Folgen für das Ungeborene haben [1],[2].

Eine europaweite Studie, bei der 70 Kinder bei Geburt, nach 18 Monaten und bis zum 18. Lebensjahr in regelmäßigen Abständen beobachtet werden, kommt zu dem Schluss, dass diese sich trotz Chemotherapie der Mutter während der Schwangerschaft normal im Vergleich zu Gleichaltrigen ohne die Vorbelastung entwickelt haben. Nach durchschnittlich 22 Monaten wurden weder Herzerkrankungen, noch Einschränkungen von Wachstum, Intelligenz, der psychomotorischen und kognitiven Entwicklung oder der allgemeinen Gesundheit beobachtet [3]. Frühgeborene waren jedoch in ihrer kognitiven Entwicklung beeinträchtigt, weshalb die Autoren von einer vorzeitig eingeleiteten Geburt aus medizinischen Gründen abraten.