Zusammenfassung
Ziel der Studie: Die Vereinbarung von Rehabilitationszielen gilt als wichtiger Bestandteil im Reha-Prozess. Informationen über deren konkrete Ausgestaltung in der Praxis liegen nur begrenzt vor; hingewiesen wird immer wieder auf Schwachstellen bei der Umsetzung, u. a. hinsichtlich der Beteiligung der Rehabilitanden an der Zielfestlegung. Die Studie berichtet Ergebnisse einer rehabilitanden- und behandlerseitigen Befragung zur gegenwärtigen Praxis von Zielvereinbarungen in der stationären medizinischen Rehabilitation. Vor dem Hintergrund einer Interventionsentwicklung wird dabei auf die Frage fokussiert, welches Entwicklungspotenzial sich diesbezüglich aufzeigen lässt. Näher betrachtet werden Akzeptanz und Voraussetzungen partizipativer Reha-Zielvereinbarungen und Erfahrungen von Rehabilitanden und Behandlern hinsichtlich Reha-Zielvereinbarungen zu verschiedenen Zeitpunkten im Reha-Prozess unter besonderer Berücksichtigung von Partizipation bei Zielvereinbarungen.
Methodik: In eine Fragebogenerhebung wurden in sechs Rehabilitationskliniken insgesamt n=40 Behandler verschiedener Berufsgruppen und n=210 Rehabilitanden der Diagnosegruppen chronischer Rückenschmerz, koronare Herzkrankheit und Diabetes mellitus Typ 2 einbezogen. Rehabilitanden- und Behandlerfragebogen beinhalten überwiegend geschlossene Fragen zur gegenwärtigen Praxis von Reha-Zielvereinbarungen, ein Teil der Items wurde für beide Zielgruppen analog formuliert. Neben der quantitativen Auswertung mittels Häufigkeitsanalysen erfolgte eine qualitative Auswertung von Freitextangaben.
Ergebnisse: Behandler sehen einen Nutzen in Reha-Zielvereinbarungen, viele nehmen rehabilitandenseitige Ziele wahr und halten Partizipation bei Zielvereinbarungen für möglich. Gleichzeitig werden Barrieren und Voraussetzungen für die Umsetzung von Reha-Zielvereinbarungen genannt. Ein einheitliches Konzept für Zielvereinbarungen, Beteiligung und Austausch der verschiedenen Berufsgruppen und ein elaborierter Umgang mit Informationen im Zusammenhang mit Zielvereinbarungen sind in den Kliniken teilweise gegeben. Rehabilitanden und Behandler berichten in überwiegend ähnlichem Ausmaß von Gesprächen über Ziele zu verschiedenen Zeitpunkten der Rehabilitation. Partizipation bei Zielvereinbarungen wird teilweise umsetzt.
Diskussion: In den beteiligten Kliniken ist die gegenwärtige Praxis von Zielvereinbarungen in der stationären Rehabilitation der Erkrankungen chronischer Rückenschmerz, koronare Herzkrankheit und Diabetes mellitus durch ein insgesamt relativ hohes Niveau gekennzeichnet. Der Beitrag zeigt Entwicklungspotenzial auf hinsichtlich einer flächendeckenden Durchführung von Gesprächen über Reha-Ziele, der Umsetzung von Partizipation bei Zielvereinbarungen, der Dokumentation von Reha-Zielen und deren Integration in den Behandlungsprozess, der Einbindung des Reha-Teams sowie der konzeptionellen Verankerung des Themas in der Klinik. Dies lässt sich u. a. im Rahmen von Interventionen zur Verbesserung der Qualität von Zielvereinbarungen aufgreifen und umsetzen.
Abstract
Objective: Goal setting is regarded as a key element in the rehabilitation process. Information about current goal setting practice is limited. However, there is potential for further improvement, e. g. as far as patient participation in the goal setting process is concerned. The study reports results of a survey on the current practice of goal setting in medical rehabilitation, focusing on development potential. The study examines acceptance and requirements for goal setting as well as patients’ and professionals’ experiences regarding goal setting during the rehabilitation process, with an emphasis on patient participation.
Methods: A total of n=40 rehabilitation professionals and n=210 inpatients with a diagnosis of chronic back pain, diabetes mellitus type 2 or coronary heart disease were surveyed at six rehabilitation centres using a questionnaire. Questionnaires contained predominantly closed-ended items regarding the current practice of goal setting. Several items were identical for both groups. In addition to the quantitative evaluation by means of frequency analyses free text data were evaluated.
Results: Rehabilitation professionals saw various benefits in goal setting with patients. Many professionals experienced patients to have personal goals for their rehabilitation, and most of them believed that patient participation in goal setting is possible. Also, barriers and requirements for goal setting were identified. A consistent concept for goal setting, involvement of and exchange between the different occupational groups and an elaborate handling of information in the context of goal setting seem to be realised at least partially. Professionals and patients reported similar frequencies of talks on goal setting at different times during the rehabilitation course. Patient participation seems to be realised to some extent but not comprehensively. The results show slight discrepancies between patients’ and professionals’ statements.
Discussion: Current practice of goal setting in inpatient rehabilitation of patients with the diagnoses named above is altogether on a relatively advanced level in the rehabilitation centres taking part in the study. The study identifies potential for development concerning a comprehensive implementation of goal setting, the realisation of patient participation, goal documentation and their integration into rehabilitation. Moreover, deeper involvement of the rehabilitation team and a stronger conceptual integration of the subject within the centres seem desirable. This can be taken up within the scope of interventions.
Schlüsselwörter
Rehabilitation - Rehabilitationsziele - partizipative Zielvereinbarung
Key words
rehabilitation - rehabilitation goals - goal setting - patient participation