Handchir Mikrochir plast Chir 2010; 42(5): 325
DOI: 10.1055/s-0030-1265134
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Leni BÜchter – 12. Februar 1916–3. Juni 2010

Dieter Buck-Gramcko
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Publication Date:
27 September 2010 (online)

Leni BÜchter ist nach längerer Krankheit am 3. Juni 2010 in Xanten verstorben. Mit ihr hat die deutsche Handchirurgie eine Persönlichkeit verloren, die maßgeblich an der Entwicklung und am Ausbau der Handchirurgie in Ostdeutschland beteiligt war.

Sie wurde am 12. Februar 1916 als Tochter des Pfarrers Otto BÜchter und seiner Ehefrau Liny, geborene van den Bruck, in Werthersbruch am Niederrhein geboren, wo sie auch ihre Jugend verbrachte. Nach dem Abitur 1935 konnte sie das geplante Medizinstudium aus finanziellen Gründen nicht sofort beginnen, sondern machte eine Ausbildung an der Krankenpflegeschule in Wuppertal. Erst nach deren Beendigung konnte sie das ersehnte Medizinstudium 1941 in Marburg und Graz aufnehmen und es 1948 in Düsseldorf nach kriegs- und krankeitsbedingten Unterbrechungen mit Staatsexamen und Promotion beenden. Wegen des Mangels an Ausbildungsstellen in Westdeutschland absolvierte sie ihre Pflichtassistentenzeit am Kreiskrankenhaus Schönebeck/Elbe in der damaligen Ostzone. Dort wurde auch die chirurgische Weiterbildung begonnen, die an der Martin Luther-Universität in Halle-Wittenberg fortgesetzt und 1955 mit der Facharztprüfung abgeschlossen wurde.

Ihr damaliger Chef Franz MÖrl ist frühzeitig für eine Spezialisierung seiner Mitarbeiter eingetreten. Mit seiner Unterstützung für die Genehmigung der Reise konnte Leni BÜchter 1957 5 Wochen bei Erik Moberg in Göteborg hospitieren und daraufhin in Halle eine handchirurgische Arbeitsgruppe einrichten. Diese weitete sich immer mehr aus; im Laufe der Jahre konnten 14 Ärzte der Klinik mit der Handchirurgie vertraut gemacht werden. Zwischen 1960 und 1978 hospitierten 104 Chirurgen an dieser Einrichtung. Leni BÜchter wurde 1961 zur Oberärztin ernannt, erhielt 1962 einen Lehrauftrag für Poliklinische Chirurgie und Handchirurgie, habilitierte sich 1970 und wurde 1975 zur außerordentlichen Professorin berufen. Mit ihren Mitarbeitern beteiligte sie sich an den Tagungen der Sektion Plastische und Wiederherstellungschirurgie der Gesellschaft für Chirurgie der DDR. Innerhalb dieser Sektion wurde 1972 eine Arbeitsgemeinschaft für Handchirurgie gegründet, deren Vorsitz sie innehatte. Leni BÜchter vertrat die ostdeutsche Handchirurgie auch auf etlichen Kongressen in Polen, Ungarn, Österreich und der Tschechoslowakei. Neben vielen Vorträgen veröffentliche sie mehrere wissenschaftliche Arbeiten, 2 Lehrbuchbeiträge sowie das Buch „Chirurgische Behandlung der verletzten und erkrankten Hand” (Johann Ambrosius Barth, Leipzig 1972).

Nach ihrer Emeritierung 1976 arbeitete Leni BÜchter noch weiter an der Klinik, bis 1979 ihrem Antrag auf Rücksiedelung in die Bundesrepublik stattgegeben wurde. Auch in Westdeutschland blieb sie beruflich noch aktiv und arbeitete bis 1984 als Oberärztin am Evangelischen Krankenhaus Köln-Kalk und führte dort die Handchirurgie ein. Sie war ordentliches Mitglied der Deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Handchirurgie und wurde 1990 zu deren Ehrenmitglied ernannt. Nach Aufgabe operativer Tätigkeit zog sie sich in ein Seniorenheim in Xanten zurück, wo sie ihren 90. Geburtstag im Kreise von Familie und Freunden noch festlich begehen konnte. Nach einem erfüllten Leben setzten gesundheitliche Probleme ihrem Leben am 3. Juni 2010 ein Ende.

Dieter Buck-Gramcko

Korrespondenzadresse

Prof. Dr. med. Dieter Buck-Gramcko

Am Heesen 14A

21033 Hamburg