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DOI: 10.1055/s-0030-1247330
© Georg Thieme Verlag Stuttgart ˙ New York
Chirurgie des alten Menschen: Ergebnisse einer Befragungsstudie
Surgery of the Elderly: Results of a Questionnaire SurveyPublikationsverlauf
Publikationsdatum:
27. Juli 2010 (online)


Einführung
Aufgrund der demografischen Entwicklung in den Industriestaaten und damit auch in Deutschland wird sich der Anteil der älteren Patienten insgesamt stetig erhöhen. Innerhalb der letzten 150 Jahre ist die durchschnittliche Lebenserwartung in jeder Dekade um 2,3 Jahre gestiegen, sodass z. B. der Anteil der 80–85-Jährigen innerhalb der letzten 50 Jahre um 240 % gestiegen ist. Eine ähnliche Entwicklung gilt für die 70 bis 80-Jährigen und die Hochbetagten d. h. über 90-Jährigen.
Bereits in den 80er-Jahren hatten Nobbe und Ahnefeld [1] in einer Studie an über 11 000 Patienten dargelegt, dass mit ansteigendem Alter auch die Begleiterkrankungen zunehmen. Dieses Erkennen der besonderen Probleme im Senium macht eine differenzierte Betrachtung der Chirurgie beim alten Patienten notwendig. So sind es nicht nur die allgemeine kardiopulmonale Leistungsfähigkeit und die Muskelmasse, die abnehmen. Auch auf molekularer Ebene wissen wir mittlerweile, dass sich z. B. das Mitochondrienvolumen und die Aktivität der Enzyme reduzieren. Des Weiteren kommt es zur funktionellen Beeinträchtigung von verschiedenen Signaltransduktionswegen aufgrund von freien Radikalen und Stickoxiden, sodass insgesamt eine verminderte Leistungsfähigkeit und eine Beeinträchtigung der Adaptationsmöglichkeiten des Körpers im Alter bestehen [2].
Für die Chirurgie wie für die gesamte Medizin bedeutet dies ein zunehmendes Patientenaufkommen in der Zukunft. Aufgrund der Altersentwicklung schätzt man allein eine Zunahme der Malignome bis zum Jahre 2030 um ca. 50 %. Der Anteil der über 60-Jährigen beträgt bei den häufigsten Malignomen (Prostata, Darm, Lunge, Pankreas, Magen, Blase) bereits heute über 80 %, weshalb das Malignom prinzipiell eine Erkrankung des älteren Menschen ist. Gleichzeitig erhöht sich die Morbidität beim alten Menschen, was die Betreuungsnotwendigkeit intensiviert [3]. Aufgrund der Multimorbidität mit zunehmendem Alter, der vermehrten Operabilität durch verbessertes perioperatives Monitoring, verbesserte intensivmedizinische Betreuung postoperativ und zunehmend minimalinvasive Operationstechniken wird sich der Bedarf an den „alters-chirurgisch“ tätigen Ärzten erhöhen. Ob eine Abgrenzung eines speziell ausgebildeten „Alterschirurgen“ sinnvoll erscheint, ist Gegenstand der weiteren Diskussion.
Die Chirurgie des älteren Menschen war Thema der 183. Jahrestagung der Vereinigung Nordwestdeutscher Chirurgen im Juni 2009 in Celle. Anlässlich der aktuellen Standortbestimmung zu diesem Thema wurde ein Fragebogen an die Teilnehmer verteilt. Die Auswertung und Interpretation werden in dieser Arbeit vorgestellt.