Rofo 2009; 181(6): 597-599
DOI: 10.1055/s-0028-1109163
Der interessante Fall

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Hypothenar-Hammer-Syndrom: Die Berufsanamnese bringt die Diagnose

N. Klebermass, C. M. Ginthoer, F. A. Fellner
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eingereicht: 14.11.2008

angenommen: 15.1.2009

Publication Date:
24 February 2009 (online)

Einführung

Das Hypothenar-Hammer-Syndrom (HHS) ist eine sehr seltene Form der symptomatischen Durchblutungsstörung der Hand. Als Auslöser wird ein wiederholtes Trauma am Kleinfingerballen angesehen. Dieses Syndrom kommt bei Personen vor, die berufsbedingt den Kleinfingerballen wiederholt als Hammerersatz verwenden (z. B. Tischler, Kfz-Mechaniker etc.). Betroffen ist ausschließlich die dominante Hand. Durch die chronische Belastung kommt es zu einer Schädigung der Arteria ulnaris im distalen Abschnitt. Da die A. ulnaris zu einem großen Teil den oberflächlichen Hohlhandbogen versorgt und aus diesem in der Regel die Fingerarterien der ulnaren 3 Finger abgehen, klagen die Patienten typischerweise über Schmerzen, Taubheitsgefühl und Kraftlosigkeit im Bereich von Mittel-, Ring- und Kleinfinger. Die Beschwerden werden meist bei Belastung und bei Kälte verstärkt.

Zur Diagnosestellung werden 3 Kriterien gefordert:

regelmäßige Verwendung der ulnaren Seite der Hand als Hammerersatz, angiografisch nachgewiesene Okklusion oder Aneurysma der distalen A. ulnaris und Ausschluss anderer Erkrankungen mit ähnlicher Symptomatik (z. B. Thrombangiitis obliterans, primärer Morbus Raynaud oder vibrationsbedingtes vasospastisches Syndrom).

Für die bildgebende Diagnostik sind in der Literatur die Doppler-Sonografie, die selektive Katheter- sowie die CT- und die MR-Angiografie beschrieben.

Therapeutisch wird meist die konservative Therapie vorgezogen (Thrombozytenaggregationshemmer, Prostaglandine und Kalziumantagonisten). Teilweise wird auch noch die Sympathikolyse zur Durchblutungsförderung eingesetzt. Als Indikation zur Operation werden akute und komplette Verschlüsse der A. ulnaris bzw. die Aneurysmabildung angesehen. Besonders wichtig ist die Expositionsprophylaxe.

Prof. Franz A. Fellner

Allgemeines Krankenhaus (AKH)

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