Rofo
DOI: 10.1055/a-2779-7718
Review

Bildgebung der Konnektivität von Hirntumoren

Article in several languages: deutsch | English

Authors

  • Stefan Suvak

    1   Radiology, Ludwig-Maximilians-Universität München, München, Germany (Ringgold ID: RIN9183)
  • Stephan Wunderlich

    1   Radiology, Ludwig-Maximilians-Universität München, München, Germany (Ringgold ID: RIN9183)
  • Veit Stoecklein

    2   Neurosurgery, Ludwig-Maximilians-Universität München, München, Germany (Ringgold ID: RIN9183)
  • Sophia Stöcklein

    1   Radiology, Ludwig-Maximilians-Universität München, München, Germany (Ringgold ID: RIN9183)

Zusammenfassung

Hintergrund

Hirntumore, insbesondere höhergradige hirneigene Tumore, weisen eine ungünstige Prognose auf, beim Glioblastom liegt die 5-Jahres-Überlebensrate beispielsweise bei unter 5%. Neue Erkenntnisse aus der Hirntumorforschung zeigen, dass die Integration des Tumors in neuronale und gliale Netzwerke sowie die Ausbildung von Netzwerken aus Gliomzellen über die makroskopischen Tumorgrenzen hinaus wesentlich zur Progression und Therapieresistenz des Tumors beitragen. Um diese Erkenntnisse bildgebend zu erfassen, sind innovative Verfahren erforderlich, die Hirntumore als systemische Erkrankungen des Gehirns abbilden können.

Methode

Diese Übersichtsarbeit stellt aktuelle bildgebende Verfahren zur Analyse tumorassoziierter funktioneller und struktureller Konnektivität dar. Im Fokus stehen die resting-state funktionelle MRT (rs-fMRT) und die Diffusions-Tensor-Bildgebung (DTI) mit Traktografie.

Ergebnisse

Veränderungen der funktionellen Konnektivität bei Gliompatienten lassen sich mittels rs-fMRT erfassen und quantifizieren. Diese Veränderungen sind assoziiert mit der Tumorbiologie, dem Gesamtüberleben und der kognitiven Leistung. Rs-MRT-Parameter können zur Prognoseeinschätzung und zur Entwicklung neuer Therapieansätze beitragen, die den Netzwerkcharakter des Tumors adressieren. Die quantitative, strukturelle Konnektivitätsanalyse kann zusätzliche Erkenntnisse zur Tumorintegration in die Netzwerkarchitektur des Gehirns liefern. Die DTI-gestützte Traktografie wird insbesondere in der Neurochirurgie eingesetzt, da sie den Lagebezug zwischen Tumor und Faserbahnen abbildet.

Schlussfolgerung

Die bildgebende Analyse tumorassoziierter Netzwerkveränderungen ermöglicht ein vertieftes Verständnis der Hirntumorbiologie und kann die Entwicklung netzwerkgerichteter Therapieansätze unterstützen. Insbesondere konnektivitätsbasierte Verfahren wie rs-fMRT und DTI-Traktografie bieten großes Potenzial, um präoperative Planung, Prognoseabschätzung und personalisierte Therapiekonzepte von Hirntumorpatienten weiter zu verbessern.

Kernaussagen

  • Gliomzellen bilden Netzwerke, die über makroskopische Tumorgrenzen hinausgehen und Therapieresistenz fördern.

  • Gliomzellen bilden Synapsen mit Neuronen und nutzen neuronale Signale für Tumorwachstum.

  • Netzwerkveränderungen sind mittelst rs-fMRI und DTI darstellbar und quantifizierbar.

  • Tumor-assoziierte Netzwerkveränderungen in der Bildgebung korrelieren mit Tumorbiologie und klinischer Prognose.

  • Bildgebende Netzwerkmarker können Therapieplanung und -überwachung optimieren und Entwicklung neuer Therapiekonzepte unterstützen.

Zitierweise

  • Suvak S, Wunderlich S, Stoecklein V et al. Imaging of Brain Tumor Connectivity. Rofo 2026; DOI 10.1055/a-2779-7718



Publication History

Received: 08 September 2025

Accepted after revision: 19 December 2025

Article published online:
06 February 2026

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