Nervenheilkunde 2026; 45(01/02): 84
DOI: 10.1055/a-2762-3943
Gesellschaftsnachrichten

Im Interview: Der neue Vorsitzende der BGPN: Univ.-Prof. Dr. Harald Prüß

Univ.-Prof. Dr. Harald Prüß ist bereits seit einigen Jahren Vorstandsmitglied der Berliner Gesellschaft und wurde am 11.10.2025 zum neuen Vorsitzenden gewählt. Er löst damit Prof. Dr. Stephan Köhler (jetzt Stellv. Vorsitzender) ab.

Prüß ist Direktor der Abteilung für Experimentelle Neurologie an der Charité Campus Mitte und Experte für autoimmune und degenerative Erkrankungen des Nervensystems.

Herzlichen Glückwunsch zur Wahl! Warum haben Sie sich zur Wahl gestellt?

Vielen Dank! Für mich war das naheliegend. Die BGPN ist eine sehr traditionsreiche Gesellschaft, da ist es eine ehrenvolle Aufgabe, durch die Leitung gewisse Akzente setzen zu können. Mich beschäftigt schon lange die Verbindung aus Psychiatrie und Neurologie, die die BGPN so klar verkörpert. Das hat auch mit meiner persönlichen Erfahrung in meiner Schwerpunktspezialisierung zu tun, in der Patient*innen mit neurologischen und psychiatrischen Symptomen eine Rolle spielen. Hier danke ich auch besonders meinen Vorgängern, zuletzt Stephan Köhler, die durch ihre Arbeit diese Gesellschaft weiterentwickelt haben. Es ist für mich eine große Freude, da anzuknüpfen.

Was möchten Sie für die BGPN beibehalten?

Die Kernkompetenz der Gesellschaft, die Psychiatrie und Neurologie zu verbinden, ist aktuell noch wichtiger als je zuvor. Gerade vor dem Hintergrund der Musterweiterbildungsordnung, bei der es Überlegungen gibt, das jeweils andere Fach in der Weiterbildung stark zu reduzieren. Des Weiteren würde ich unbedingt unsere tollen Veranstaltungen beibehalten, bei denen sich Neurolog*innen, Psychiater*innen und Nervenärzt*innen einmal im Monat über ihre Spezialisierungen und Generationen hinweg zusammenfinden und austauschen können. Das gibt es in dieser Form sonst nicht und sollte unbedingt weitergeführt werden. Wir haben ein sehr hochkarätiges Programm mit ausgewiesenen Referent*innen aus beiden Fachgebieten. Genauso sollten wir die Präsenz der Gesellschaft bei den Kongressen der DGN und DGPPN beibehalten.

Welche neuen Aspekte möchten Sie setzen?

Dass wir z. B. noch mal gemeinsam schauen, wie der mediale Auftritt optimiert werden kann, also die Homepage aktueller gestaltet werden kann. Wir möchten auch die Mitlieder befragen und noch stärker einbinden. Ich kann mir ferner gut vorstellen, neben den Themen für die Neurologie und Psychiatrie in der Mittwochsveranstaltung auch noch ein drittes ‚out oft he box‘-Thema zu machen, wo vielleicht Gesundheitspolitik, Kunst oder andere Dinge zu Wort kommen. Dann finde ich auch das schon begonnene Ansprechen der jungen Kolleg*innen wichtig, wie zuletzt im Sommer mit der ‚Young-BGPN‘. Hier gab es den Austausch zur Work-Life-Balance. So etwas würde ich gerne noch ausbauen. Mir persönlich, als jemand, der eher im universitären Bereich unterwegs ist, ist es ebenso wichtig, dass wir einen guten Ausgleich von der Forschung bis hin zur Versorgung beibehalten.

Inwieweit denken Sie als Experte für Autoimmunerkrankungen des Gehirns, dass derartige pathologische Prozesse auch psychiatrische Erkrankungen mit bislang unklarer Ätiologie erklären könnten?

Durch die Weiterentwicklung der Antikörperdiagnostik sehen wir mittlerweile, dass diese Prozesse tatsächlich nicht nur bei den Enzephalitiden zum Tragen kommen, sondern gerade auch bei psychiatrischen Erkrankungen und Demenzen. Die Erfahrungen von Enzephalitis bis zu autoimmunen Psychosen verkörpern den verbindenden Schwerpunkt der BGPN und zeigen, dass Psychiatrie und Neurologie eng zusammenarbeiten müssen.

Verbinden Sie eine persönliche Erinnerung oder ein besonderes Erlebnis mit der BGPN?

Tatsächlich ist es ganz grundsätzlich dieses Zusammenkommen im traditionsreichen Hörsaal der ‚Alten Nervenklinik‘, das mich fasziniert. In den Gesprächen zu Themen innerhalb und außerhalb der BGPN haben sich für mich immer wieder neue Kontakte und Impulse ergeben. Das Sitzen auf den harten Hörsaalbänken habe ich so nie als unangenehm empfunden, sondern eher als besondere historische Stimmung.

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Abb. 1 S. Köhler (li.) und H. Prüß (re.) nach der Vorstandswahl. (Quelle: © Prüß)

Das Interview führte Dr. Anja M. Bauer

IMPRESSUM

Prof. Dr. Tom Bschor
Redaktion: Dr. Anja M. Bauer
Berliner Gesellschaft für Psychiatrie und Neurologie e. V.
Schlosspark-Klinik, Abteilung für Psychiatrie
Heubnerweg 2, 14059 Berlin
info@bgpn.de, www.bgpn.de



Publication History

Article published online:
19 February 2026

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