Aktuelle Kardiologie 2026; 15(01): 56-61
DOI: 10.1055/a-2754-6560
Kurzübersicht

Hybrid-DRG in der Kardiologie – wohin geht die Reise?

Hybrid DRG in Cardiology – Where is the Journey Headed?

Authors

  • Christoph Stellbrink

    1   Klinik für Kardiologie und Internistische Intensivmedizin, Klinikum Bielefeld, Bielefeld, Deutschland (Ringgold ID: RIN14970)
  • Ralf Birkemeyer

    2   Cardiologicum Herzklinik Ulm, Ulm, Deutschland

Zusammenfassung

Mit der Einführung der sog. Hybrid-DRG im Jahre 2024 wurde vom Gesetzgeber eine neue, sektorenübergreifende Form der Krankenversorgung eingeführt. Im Jahr 2026 wird nun erstmalig eine große Zahl kardiologischer Eingriffe in die Liste der Hybrid-DRG übernommen. Damit wird dem medizinischen Fortschritt der letzten Jahre, der besonders auch in der Kardiologie zunehmend eine minimalinvasive Durchführung interventioneller und operativer Eingriffe ermöglicht hat, Rechnung getragen. Dennoch stellt diese rasche Einführung einer so großen Zahl an Leistungen in die Hybrid-DRG die Krankenhäuser und das Fachgebiet vor zahlreiche Herausforderungen, vor allem vor dem Hintergrund der Krankenhausreformen, die auf eine Reduktion der Standorte durch Zentrenbildung abzielen. Diese betreffen nicht nur die Schaffung ambulanter Strukturen am Krankenhaus, sondern auch die zukünftige Finanzierung der Notfallvorhaltung, die ärztliche Weiterbildung und die Einhaltung der von der Politik zunehmend geforderten Qualitätssicherung. Aus fachlicher Sicht ist eine stärkere Einbeziehung der Fachgesellschaften in die weitere Planung zu fordern. Auch sollte die zunehmende Ambulantisierung zumindest in einer Übergangsphase eher finanziell gefördert werden, als sie durch finanzielle Abschläge zusätzlich zu belasten. Vor diesem Hintergrund ist die Einführung der Hybrid-DRG ein prinzipiell geeignetes Instrument. Dieser positive Ansatz wird aber durch die im Gesetz verankerte, geplante Absenkung der Vergütung auf das Niveau des ambulanten Operierens am Krankenhaus (AOP) konterkariert.

Abstract

With the introduction of the so-called hybrid DRG in 2024, the health authorities introduced a new, intersectoral form of healthcare. In 2026, a large number of cardiological procedures will be included in the list of hybrid DRGs for the first time. This takes into account the medical advances of recent years, which have increasingly enabled minimally invasive interventional and surgical procedures, particularly in cardiology. Nevertheless, the rapid introduction of such a large number of services into the hybrid DRG poses numerous challenges for hospitals and the specialty, especially against the backdrop of hospital reforms aimed at reducing the number of hospitals by focusing on high-volume centers. These reforms affect not only the creation of outpatient structures at hospitals, but also the future financing of emergency care, continuing medical education, and compliance with the quality assurance requirements increasingly demanded by the government. From a physician perspective, greater involvement of professional associations in further planning is called for. In addition, the increasing shift toward outpatient care should, at least in a transitional phase, be financially supported rather than burdened with additional financial penalties. Against this backdrop, the introduction of hybrid DRGs is, in principle, a suitable instrument. However, this positive approach is undermined by the planned reduction in reimbursement to the level of the so-called AOP catalogue (ambulatory surgery at hospitals).

Was ist wichtig?
  • Ab 2026 werden zahlreiche bislang stationäre kardiologische Leistungen in die sektorengleiche Vergütung der Hybrid-DRG überführt, mit weitreichenden Folgen für Versorgungsstrukturen und Erlöse.

  • Die Auswahl der Leistungen erfolgte primär anhand politischer Zielvorgaben zur Fallzahlverlagerung und weniger auf Basis fachlicher Kriterien, was rechtliche und klinische Zielkonflikte für Behandelnde mit sich bringen kann.

  • Krankenhäuser stehen vor erheblichen organisatorischen, personellen und finanziellen Herausforderungen, während zentrale Fragen zur Notfallvorhaltung und ärztlichen Weiterbildung bislang ungelöst bleiben.

  • Die Vergütung der Hybrid-DRG ist kurzfristig nicht durchgängig niedriger, soll jedoch bis 2030 schrittweise an das ambulante Niveau angepasst werden – mit potenziellen Auswirkungen auf das Leistungsangebot.



Publication History

Article published online:
11 February 2026

© 2026. Thieme. All rights reserved.

Georg Thieme Verlag KG
Oswald-Hesse-Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany