Aktuelle Kardiologie 2026; 15(01): 51-55
DOI: 10.1055/a-2747-6393
Kurzübersicht

Krankenhausreform und neue Notfallstrukturen – Implikationen für die Kardiologie

Hospital Reform and New Emergency Structures – Implications for Cardiology

Authors

  • Christian Perings

    1   Medizinische Klinik l - Kardiologie, Pneumologie, Elektrophysiologie, Intensivmedizin, Klinikum Lünen - St.-Marien-Hospital GmbH, Lünen, Deutschland
  • Patrick Diemert

    2   Klinik für Innere Medizin, Kardiologie und internistische Intensivmedizin, Westküstenklinikum Heide, Heide, Deutschland (Ringgold ID: RIN40654)

Zusammenfassung

Die Krankenhausreform 2024/25 markiert den tiefgreifendsten Umbau der stationären Versorgung seit Einführung der DRG. Kernanliegen sind die Abkehr von der reinen Fallzahlsteuerung, die Etablierung einer qualitäts- und strukturorientierten Finanzierung durch Vorhaltebudgets sowie die Neuordnung des Notfallzugangs über Integrierte Notfallzentren (INZ) und gestufte Versorgungsaufträge. Für die Kardiologie, die einen hohen Anteil zeitkritischer Notfälle abdeckt, ergeben sich daraus substanzielle Konsequenzen entlang der gesamten Versorgungskette: von präklinischer Triage und digitaler Voranmeldung über Akutintervention und Intensivmedizin bis zu stationären Rückübernahme, Rehabilitation und Sekundärprävention. Der vorliegende Beitrag analysiert politisch-rechtliche und gesundheitsökonomische Hintergründe, ordnet die Leistungsgruppen-Logik ein, diskutiert Implikationen für Erreichbarkeit, Ergebnisqualität und Personal und bewertet die Rolle von Digitalisierung, Registerdaten und Qualitätstransparenz. Abschließend werden Voraussetzungen für eine nachhaltige Umsetzung skizziert, die Qualität, Zugangsgerechtigkeit und wirtschaftliche Tragfähigkeit in Einklang bringt.

Abstract

The 2024/25 German hospital reform constitutes the most profound restructuring of inpatient care since the introduction of DRGs. It aims to move from volume-based reimbursement towards structure- and quality-oriented financing, notably via standby budgets, service groups and integrated emergency centres (INZ). For cardiology – covering a large share of time-critical emergencies – this implies far-reaching changes across the entire pathway: prehospital triage and digital pre-notification, reperfusion and intensive care, as well as step-down management, rehabilitation and secondary prevention. This article outlines the legal and economic rationale, explains the logic of service groups, examines implications for accessibility, outcomes and workforce, and highlights the role of digital integration, registries and transparent quality metrics. It concludes with prerequisites for sustainable implementation that balance quality, equity of access and financial viability.

Was ist wichtig?
  • Die Krankenhausreform 2024/25 verändert die Rahmenbedingungen der kardiologischen Versorgung grundlegend. Entscheidend ist dabei weniger die politische Architektur als ihre praktische Wirkung auf Notfallketten, Strukturqualität und Erreichbarkeit.

  • Für die Kardiologie – eine Disziplin, die auf 24/7-Bereitschaft, hochspezialisierte Infrastruktur und präzise Prozessabläufe angewiesen ist – definiert die Reform neue Anforderungen an Personal, Digitalisierung, Netzwerkbildung und Qualitätsmessung.

  • Zentral wird sein, ob es gelingt, Strukturvorgaben in klinisch funktionierende Abläufe zu übersetzen, Schnittstellen reibungslos zu gestalten und regionale Versorgungsrealitäten realistisch abzubilden.



Publication History

Article published online:
11 February 2026

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