PSYCH up2date 2026; 20(01): 57-69
DOI: 10.1055/a-2550-7222
Essstörungen, somatische Belastungsstörungen, Schlafstörungen und sexuelle Funktionsstörungen

Insomnische Störungen

Authors

  • Laura Pöschel

  • Lukas Frase

Schlafstörungen gehören zu den am weitesten verbreiteten Gesundheitsproblemen. Neben ihrer hohen Chronifizierungsrate stellen sie einen zentralen Risikofaktor für die Entwicklung komorbider psychischer Störungen dar und sind zudem häufig mit somatischen Erkrankungen assoziiert. Die Einführung der ICD-11 markiert eine Weiterentwicklung in der Konzeptualisierung und im Verständnis von Insomnien.

Kernaussagen
  • Insomnische Störungen gehören zu den häufigsten Erkrankungen in westlichen Ländern mit einer Prävalenz von über 10%.

  • Frauen, ältere Menschen und Personen mit niedrigem sozioökonomischen Status sind besonders häufig betroffen.

  • Insomnie umfasst Ein- und Durchschlafstörungen sowie Früherwachen, die trotz ausreichender Schlafgelegenheiten zu deutlicher Beeinträchtigung und Leidensdruck führen. Häufig verstärkt eine übermäßige kognitive Beschäftigung mit dem Schlaf die Symptomatik.

  • Die Störung zeigt einen chronischen Verlauf mit einer Persistenzrate von rund 40% über 5 Jahre.

  • Insomnie ist mit erhöhten Risiken für kardiovaskuläre Erkrankungen, Diabetes, Adipositas sowie insbesondere depressive Störungen assoziiert.

  • In der ICD-11 gilt Insomnie jetzt als eigene Störung, selbst wenn andere Erkrankungen gleichzeitig vorliegen.

  • Eine sorgfältige Differenzialdiagnostik ist zentral, besonders im Hinblick auf obstruktive Schlafapnoe, Restless-Legs-Syndrom und zirkadiane Rhythmusstörungen. Auch psychische Erkrankungen wie Depressionen können insomnische Symptome bedingen oder begleiten.

  • Die Diagnostik beruht primär auf Anamnese, Schlaftagebüchern und Fragebögen, während apparative Verfahren wie Polysomnografie zur Abklärung komorbider Störungen eingesetzt werden.

  • Das Zwei-Prozess-Modell nach Borbély erklärt Insomnie über Störungen des homöostatischen Schlafdrucks oder des zirkadianen Rhythmus. Therapieansätze nutzen dieses Modell durch Stabilisierung des Tagesrhythmus oder Schlafrestriktion.

  • Die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I) gilt als Goldstandard, während Pharmakotherapie nur kurzfristig und mit Vorsicht eingesetzt werden sollte.



Publication History

Article published online:
19 January 2026

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