neuroreha 2019; 11(01): 8
DOI: 10.1055/a-0851-9012
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© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Spiegeltherapie zur Verbesserung von Phantomschmerzen

Jan Mehrholz
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
15. März 2019 (online)

Zusammenfassung der Studie

Ziele

Ziel der Studie war es, die Wirkung von drei verschiedenen Arten der Spiegeltherapie bei Patienten mit Phantomschmerzen nach Amputation zu evaluieren.


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Methodik

Design Dreiarmige multizentrische randomisierte und kontrollierte Studie.

Ein- und Ausschlusskriterien Eingeschlossen wurden Patienten mit einer Amputation der unteren Extremitäten, die mindestens eine Woche konstante oder intermittierende Phantomschmerzen mit einer durchschnittlichen Intensität von mindestens 3 auf der numerischen 11-Punkte-Rating-Skala, NRS, und mindestens einmal die Woche Phantomschmerzen hatten. Weitere Bedingung waren ausreichende kognitive, kommunikative und motorische Funktionen, um den Telerehabilitationsdienst nutzen zu können, sowie sich mindestens 15 Minuten lang auf das Spiegelbild zu konzentrieren, um Anweisungen und Inhalte von Fragebögen zu folgen. Ausgeschlossen wurden Patienten, deren stationäre Rehabilitation absehbar nicht lang genug war für eine vierwöchige Intervention, Patienten mit bilateraler Amputation, schwere Komorbidität (wie z. B. Schlaganfall) oder Schmerzen an der nichtbetroffenen Extremität, Spiegeltherapie in der Vergangenheit (> 6 Behandlungen in den letzten drei Monaten).

Interventionen Nach Randomisierung in eine von drei Interventionsgruppen wurden folgende Therapien über vier Wochen durchgeführt:

  • Gruppe A: vier Wochen lang traditionelle Spiegeltherapie, anschließend sechs Wochen Teletherapie mit erweiterter Realität (engl. augmented reality)

  • Gruppe B: vier Wochen lang traditionelle Spiegeltherapie, anschließend sechs Wochen Spiegeltherapie als Eigentherapie

  • Gruppe C: vier Wochen lang sensomotorische Übungen für die nichtbetroffene Extremität, anschließend sechs Wochen Spiegeltherapie als Eigentherapie

Messungen Gemessen wurde vor Trainingsbeginn, nach vier und sechs Wochen (laut Protokoll) bzw. 10 Wochen (laut Studie) sowie nach sechs Monaten. Primäre abhängige Variablen waren laut Studienprotokoll die Veränderung der mittleren Intensität, der Dauer und der Häufigkeit der Phantomschmerzen. Sekundäre abhängige Variablen beinhalteten durch Schmerzen beeinflusste Alltagsleistungen, Selbsteffektivität, Lebensqualität (EQ-5D) und selbst eingeschätzter Effekt der Behandlung (GPE Scale) und die Schmerzdimension gemessen mit dem Neuropathic Pain Symptom Inventory (NPSI).


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Ergebnisse

Insgesamt wurden 75 Patienten in die Studie eingeschlossen. Zu Beginn unterschieden sich die Studiengruppen nicht hinsichtlich wichtiger prognostischer Variablen. In den ersten vier Wochen zeigte sich kein Unterschied zwischen den beiden Spiegeltherapiegruppen und der Gruppe C. Im Langzeitverlauf über sechs Monate zeigten sich jedoch Effekte der Spiegeltherapie auf die Dauer der Phantomschmerzen. Bei allen anderen primären und sekundären Variablen gab es keine Unterschiede zwischen den drei Gruppen. Im Vergleich der Gruppen A und B gab es keine Unterschiede. Im Vergleich der Gruppen A und C zeigten sich, zumindest nach sechs Monaten, kleinere Unterschiede hinsichtlich Phantomschmerzen unter Beeinträchtigung der Schlafqualität.


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Schlussfolgerung

Nach Ansicht der Autoren zeigen die Ergebnisse, dass die Spiegeltherapie kleine, aber nicht signifikante Effekte auf die Phantomschmerzen hat. Die Teletherapie hatte keinen Effekt, aber insgesamt ließen sich alle Ansätze sehr gut in der Praxis anwenden.


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