Handchir Mikrochir plast Chir 2019; 51(06): 501-505
DOI: 10.1055/a-0770-3101
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Freie M. latissimus dorsi Lappenplastik zur Defektdeckung des Capilitiums bei ausgedehnten Plattenepithelkarzinomen des alten Patienten

Free latissimus dorsi muscle flap for scalp reconstruction in elderly patients with a squamous cell carcinoma
Johanna Schratt
Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie, Klinikum Klagenfurt am Wörthersee, Klagenfurt, Österreich
,
Matthias Rab
Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie, Klinikum Klagenfurt am Wörthersee, Klagenfurt, Österreich
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Publication History

10 June 2018

04 October 2018

Publication Date:
16 April 2019 (eFirst)

Zusammenfassung

Hintergrund Nach erfolgter Resektion von Plattenepithelkarzinomen am Capilitium können große Defekte mit freiliegender Schädelkalotte entstehen, welche die Verwendung einer freien mikrovaskulären Lappenplastik oft notwendig machen. Aufgrund der Krümmung des Kopfes, der dadurch entstehenden Dimensionen des Defektes, der Infiltration des Periosts durch den Tumor und der zumeist aufgebrauchten Möglichkeiten einer lokalen Lappenplastik stellt die freie M. latissimus dorsi Lappenplastik in Kombination mit Spalthaut eine in unsere Händen sinnvolle Methode dar. Ziel dieser retrospektiven Analyse war die Evaluierung der Komplikations- sowie Rezidivrate nach Defektdeckung mit freier M. latissimus dorsi Lappenplastik am Capilitium bei „in sano Plattenepithelkarzinom-Entfernung“ von Patienten mit einem Alter über 70 Jahren.

Methoden Insgesamt konnten 4 Patienten mit einem Alter von > 70 Jahren (von 70 bis 82a) und Rezidiven eines Plattenepithelkarzinoms am Capilitium mit Befall des Periosts durch das Neoplasma in diese retrospektive Analyse inkludiert werden. Bei allen 4 Patienten wurde nach erfolgter „in sano Resektion“ die Defektdeckung mittels freier mikrovaskulär verpflanzter M. latissimus dorsi Lappenplastik und Spalthautdeckung durchgeführt. Evaluiert wurden unter anderem: Histologie, Komplikationsrate, Rezidivrate, Radiatio, Operationsdauer und stationärer Aufenthalt.

Resultate Alle 4 Patienten wurden einer Defektdeckung mittels freier M. latissimus dorsi Lappenplastik und Spalthauttransplantat nach erfolgter Resektion eines Plattenepithelkarzinoms am Capilitium unterzogen. Der Nachuntersuchungszeitraum lag zwischen 12–48 Monaten. Histologisch konnte bei allen 4 Patienten eine R0-Resektion erzielt werden. Bei zwei Patienten war zusätzlich eine Resektion von Teilen der Schädelkalotte und Deckung mittels PALACOS® notwendig. Bei einem Patienten wurde zusätzlich eine Duraplastik durchgeführt. Bei allen 4 Patienten heilten die Lappenplastiken unmittelbar postoperativ ohne schwerwiegende Komplikationen am Capilitium ein. Zu Seromen an der Entnahmestelle, Wunddehiszenzen und partiellen Spalthautabstoßungen kam es bei allen 4 Patienten. Der Nachuntersuchungszeitraum lag zwischen 12–48 Monaten. Ein Patient verstarb bereits nach 12 Monaten nach erfolgter Resektion und Defektdeckung. Ein Patient befindet sich aufgrund eines Lokalrezidivs in palliativer Behandlung. Bei einem weiteren Patienten kam es sowohl zu einer Lebermetastasierung als auch zu einem Lokalrezidiv. Der vierte Patient ist der Einzige dieses Kollektivs, welcher nach 22 Monaten rezidivfrei ist.

Schlussfolgerung Die freie M. latissimus dorsi Lappenplastik stellt auch beim alten Patienten aufgrund der beobachteten geringen Komplikationsrate sowie der guten postoperativen Ergebnisse eine suffiziente Methode zur Deckung größerer operativ gesetzter Skalpdefekte dar. Bei diesen Patienten besteht trotz R0-Resektion mit teilweiser Entfernung der Schädelkalotte und Duraplastiken eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit zur Entwicklung eines Lokalrezidives.

Abstract

Background Scalp defects resulting from the resection of a squamous cell carcinoma often require free tissue transfer. In these cases, a free latissimus dorsi muscle flap is a good possibility to cover scalp defects. Our aim was to evaluate the outcome of scalp coverage with free latissimus dorsi muscle flaps.

Methods This retrospective analysis included 4 patients aged over 70 years (7082), who underwent scalp reconstruction with a free latissimus dorsi muscle flap and a split-skin graft after the resection of a squamous cell carcinoma. Patient characteristics, histological findings, recurrence rate, postoperative radiotherapy, duration of operation and in-patient stay were recorded.

Results All 4 patients had recurrent tumours and the follow-up period was 12–48 months. Histological findings demonstrated R0 resection in all patients. A PALACOS® bone was necessary in two patients and duraplasty in one. All free flaps healed without major complications. There was no flap loss; minor complications included seromas and wound dehiscence. One patient died during follow-up and two were no longer treatable due to tumour progression. One patient is still alive and has had no recurrence for 22 months.

Conclusion Free latissimus dorsi muscle flap is a reliable method to reconstruct large scalp defects, even in elderly patients, due to its low complication rate and good tissue vascularity. Despite R0 resection with partial resection of the skullcap and duraplasty, there is a high risk for local recurrence. A multidisciplinary approach is necessary to achieve the best therapy concept for each patient.