Psychother Psych Med 2018; 68(09/10): 377-382
DOI: 10.1055/a-0619-5949
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© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Definition und Entscheidungsschritte in der Bestimmung und Erfassung von Nebenwirkungen von Psychotherapie

Definition and Decision-Making in the Determination and Detection of Side Effects of Psychotherapy
Michael Linden
1  Forschungsgruppe Psychosomatische Rehabilitation, Charité Universitätsmedizin Berlin
,
Bernhard Strauß
2  Institut für Psychosoziale Medizin und Psychotherapie, Universitätsklinikum Jena
,
Saskia Scholten
3  Klinische Psychologie und Psychotherapie, Ruhr-Universität Bochum
,
Yvonne Nestoriuc
4  Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und Universitäre Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Schön Klinik Hamburg Eilbek, Institut und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Hamburg
,
Eva-Lotta Brakemeier
5  Institut für Psychologie und Psychotherapie, Fachbereich Psychologie, Philipps-Universität Marburg
,
Janice Wasilewski
1  Forschungsgruppe Psychosomatische Rehabilitation, Charité Universitätsmedizin Berlin
› Author Affiliations
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Publication History

eingereicht 04 April 2018

akzeptiert   09 April 2018

Publication Date:
04 October 2018 (online)

Zusammenfassung

Ein Problem in der Befassung mit Nebenwirkungen von Psychotherapie besteht darin, dass es bislang keine allgemein anerkannte Definition von Nebenwirkungen gibt. Nicht einmal die Unterscheidung zwischen Haupt- und Nebenwirkungen ist immer eindeutig. Für die Erfassung und Einordnung von Psychotherapie-Nebenwirkungen sind mehrere wissenschaftliche und therapeutische Urteile erforderlich. Als Erstes ist zu prüfen, welche Ereignisse potentiell relevant sein könnten. Ein Ereignis definiert sich methodisch über die zeitliche Kontingenz zur Therapie. Als Zweites muss definiert werden, ob es sich um ein unerwünschtes oder ein erwünschtes Ereignis handelt. Unerwünscht ist alles, was problematisch wäre, wenn es auch anders ginge. Als Drittes muss ein kausaler Zusammenhang mit dem Therapieprozess wahrscheinlich gemacht werden. Als Viertes muss beurteilt werden, ob die Therapie fachgerecht war oder ob ein Kunstfehler oder sonstiges inadäquates Therapeutenverhalten vorlag. Eine Nebenwirkung ist als eine unerwünschte Folge einer korrekten Therapie zu defineren. Die Frage der Relevanz von Nebenwirkungen ist mit Blick auf die Schwere und Nachhaltigkeit zu beurteilen.

Abstract

There is no generally accepted definition of side effects, which causes problems in research and clinical practice. Not even the distinction between main and side effects is always clear. Several judgments are needed in the assessment of side effects. First, it must be decided where to look for unwanted events. Events are defined by the temporal contingency with the treatment. Second, it must be made a judgement whether it is an unwanted or wanted event. Everything is unwanted, which would be problematic, if it would be possible to do without it. Thirdly, a causal relationship with the treatment must be made plausible. Fourthly, a decision must be made that the treatment has been adequate and not malpractice or other unethical behavior. Side effects can be defined as unwanted consequences of correct treatment. The relevance of side effects is depending on severity and duration.