Zeitschrift für Palliativmedizin 2022; 23(05): e14-e15
DOI: 10.1055/s-0042-1754045
Abstracts | DGP
Qualitätsaspekte und -sicherung

Positionspapier: Aufnahme von qualifizierter und professioneller Sprach- und Kulturmittlung ins SGB V als Voraussetzung für Chancengleichheit beim Zugang zur Hospiz- und Palliativversorgung

Authors

  • A Behzadi

    1   Charité Universitätsmedizin, Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Hämatologie, Onkologie und Tumorimmunologie, Campus Virchow-Klinikum, Berlin, Deutschland
    2   Arbeitsgemeinschaft Palliativversorg für Menschen mit Migrationshintergrund, Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin, Berlin, Göttingen, München, Deutschland
  • C Banse

    2   Arbeitsgemeinschaft Palliativversorg für Menschen mit Migrationshintergrund, Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin, Berlin, Göttingen, München, Deutschland
    3   Universitätsmedizin Göttingen, Klinik für Palliativmedizin, Göttingen, Deutschland
  • F Bohnhoff

    4   Bayerisches Zentrum für Transkulturelle Medizin e.V., München, Deutschland
  • Y Günay

    2   Arbeitsgemeinschaft Palliativversorg für Menschen mit Migrationshintergrund, Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin, Berlin, Göttingen, München, Deutschland
    5   Hospizdienst DaSein e.V., Fachstelle Kultursensible Begleitung / Migration, München, Deutschland
  • S Hopp

    6   Berliner Initiative für gutes Dolmetschen, Berlin, Deutschland
  • M Jansky

    2   Arbeitsgemeinschaft Palliativversorg für Menschen mit Migrationshintergrund, Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin, Berlin, Göttingen, München, Deutschland
    3   Universitätsmedizin Göttingen, Klinik für Palliativmedizin, Göttingen, Deutschland
  • B Lenk-Neumann

    4   Bayerisches Zentrum für Transkulturelle Medizin e.V., München, Deutschland
  • S Migala

    2   Arbeitsgemeinschaft Palliativversorg für Menschen mit Migrationshintergrund, Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin, Berlin, Göttingen, München, Deutschland
    7   Deutsches Zentrum für Altersfragen, Berlin, Deutschland
  • N Pakaki

    2   Arbeitsgemeinschaft Palliativversorg für Menschen mit Migrationshintergrund, Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin, Berlin, Göttingen, München, Deutschland
    8   Hausärztliche Praxis, Kornwestheim-Pattonville, Deutschland
  • E Schmidt-Pabst

    2   Arbeitsgemeinschaft Palliativversorg für Menschen mit Migrationshintergrund, Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin, Berlin, Göttingen, München, Deutschland
    9   Hoffmanstaler Stiftung, Lobetal, Ambulanter Lazarus Hospizdienst, Berlin, Deutschland
 

Hintergrund Laut Mikrozensus 2020 haben 27% der Einwohner:innen der Bundesrepublik Deutschland einen Migrationshintergrund. Die Gesundheitsberichtserstattung des Bundes macht deutlich, dass Menschen mit Migrationshintergrund häufiger medizinische Leistungen in Anspruch nehmen als Menschen ohne Migrationshintergrund. Gleichzeitig zeigen Studien, dass Menschen mit Migrationshintergrund am Lebensende im deutschen Gesundheitswesen unterrepräsentiert und schlecht versorgt sind. Sprachbarrieren liefern eine zentrale Begründung für dieses Phänomen.

Methode Auf Grundlage der Analyse der Versorgungssituation für Menschen mit Migrationshintergrund am Lebensende sowie der aktuellen Rechtsgrundlage für die Finanzierung von Sprachmittlung haben Mitglieder der AG Palliativversorgung für Menschen mit Migrationshintergrund der DGP gemeinsam mit Expert:innen der Sprachmittlung ein Positionspapier für die Sicherstellung einer qualifizierten und professionellen Kultur- und Sprachmittlung als Voraussetzung für Chancengleichheit beim Zugang zu Leistungen der Hospiz- und Palliativversorgung formuliert.

Ergebnisse Für die Behandlung am Lebensende lässt sich insgesamt eine Sprachlosigkeit über Tod und Sterben attestieren. Im Falle einer unzureichenden oder fehlenden Sprach- und Kulturmittlung muss daher von einer doppelten Sprachlosigkeit ausgegangen werden. Die häufig praktizierte Nutzung von Angehörigen und Laien als Dolmetscher:innen ist fachlich nicht vertretbar. Die Qualität der multiprofessionellen Hospiz- und Palliativversorgung hängt vor allem von einer gelingenden Kommunikation zwischen Betroffenen, ihren Angehörigen und Behandler:innen ab. Fehlen die sprachlichen Voraussetzungen für eine umfassende Aufklärung und prozessbegleitende Kommunikation, ist weder eine patient:innenorientierte Versorgung möglich noch können Fehlversorgungsketten mit deutlichen gesundheitsökonomischen Auswirkungen verhindert werden.

Schlussfolgerung Um a) die Chancengleichheit und das Selbstbestimmungsrecht von Patient:innen sicherzustellen, b) eine individuelle und systemische Fehlversorgung zu vermeiden und damit c) eine gesundheitsökonomische Effizienz im Versorgungssystem zu gewährleisten, ist der Rechtsanspruch auf eine Kostenerstattung für den prozessbegleitenden Einsatz von qualifizierten und professionellen Sprach- und Kulturmittler:innen in der Hospiz- und Palliativversorgung für das multiprofessionelle Angebotsspektrum verbindlich in SGB V zu regeln, so wie im aktuellen Koalitionsvertrag vom 24.11.2021 angekündigt.



Publication History

Article published online:
31 August 2022

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